Das Masken-Manifest – ein Plädoyer für das Vermummungs-Gebot

Zwei Dinge helfen in jeder Krise. Anerkennen, dass man eine Krise hat und: Weiteratmen. 

Einatmen – ausatmen. Inspiration und Exspiration. 

Ich möchte Sie inspirieren, sich jetzt beim Ausatmen in Bus, Bahn und Supermarkt selbstgemachte Masken aufzusetzen. Und was das bringt, erkläre ich sehr gern. Einmal durchatmen – los geht’s. 

Viren sind notorische Vielflieger

Hinter dieser Idee stehen sehr viele: die Aktion #maskeauf, der Virologe Christian Drosten, von der Charité, und auch der Chef der Berliner Universitätsmedizin, Heyo Kroemer. Dank Corona wissen wir, wie wichtig Pflegekräfte sind. Und deshalb habe ich auch den Deutschen Pflegerat gefragt. Franz Wagner und Christine Vogler, die beiden obersten Pflegefachpersonen in Deutschland sind auch dafür! 

Viren sind notorische Vielflieger. Sie wollen überall gleichzeitig sein, haben ein hohes Mit-Teilungsbedürfnis und düsen gerne durch die Luft. Und wenn keine Flugzeuge mehr gehen, um sich über weite Strecken global zu verbreiten, reicht ihnen auch eine Distanz von unter zwei Metern, um von einem Wirt zum anderen zu fliegen. In Windeseile haben sie uns im Griff, weil sie auch noch unsere Griffel zur Ansteckung nutzen. 

Inzwischen wissen alle, was zählt: Händewaschen, in die Armbeuge husten, Abstand halten. Und möglichst wenig unter Menschen gehen. Diese Maßnahmen haben die Infektionsketten verlangsamt – aber noch nicht unterbrochen.

Noch hat die Medizin keine Impfung, kein Medikament in der Hand. Jetzt braucht es mehr „Public Health“-Denke, also Schwarmintelligenz statt Einzelinteresse. Denn Viren sind voll die Egos! Viren sind Schmarotzer, Trittbrettfahrer, Schnorrer. Sie bewegen sich nie selber. Sie erwarten immer, dass man sie irgendwohin mitnimmt. Am liebsten im Rachenraum. Da haben sie es feucht, warm – und sie sind mit einem Mal Husten sofort beim nächsten. Sie sehen in uns nichts als Kopiermaschinen. Wir sind ihre „Wirte“. Viren sind wie Katzen – sie erwarten von uns Menschen das volle Versorgungsprogramm, ohne jemals Danke zu sagen. Schönen Dank auch Corona! Wir müssen doch als Menschen schlauer sein als so ein paar Schnipsel Erbsubstanz in einer Hülle. Viren denken immer nur an das eine: Vermehrung.

Fortpflanzung, Fortpflanzung, Fortpflanzung. Gut, so war ich in der Pubertät auch schon mal drauf. Aber man wird ja erwachsen. Und wenn wir uns jetzt alle erwachsen und kreativ verhalten – geben wir Covid-19 keine Chance. Viren haben ohne unsere Geselligkeit nichts mehr zu Lachen. Wir schon. 

Bis es einen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, ist alles wichtig, was besser ist als nichts

Viren können sich nicht miteinander absprechen, sie kämpfen alle nur für sich. Wir Menschen können kooperieren. Ideen können viral gehen: Im Internet, in den Medien, wir können gute Ideen teilen und weitererzählen und damit schneller verbreiten als jede Infektion. Wir müssen sie liegen lassen, wo sie sind. Wir müssen sie isolieren, und auch wenn sie schon in uns sind, zum Außenseiter machen! 

Das Motto „Gemeinsam gegen Corona“ markiert Berichterstattung und Initiativen über besonders solidarische und bemerkenswerte Projekte im Kampf gegen Corona. Initiator der Aktion ist die Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner+Jahr gehört, in dem der stern erscheint.

Warum haben wir jahrelang den Virenschutz unserer Computer ernster genommen als unseren eigenen? Virenschutz-Programme für Menschen gibt doch auch: Impfungen. Die haben wir gegen viele fiesen Erreger bereits. Gegen Influenza, gegen Pneumokokken, gegen Masern und gegen viele andere Erreger, die uns früher den Gar ausgemacht haben. Polio und Pocken sind schon Geschichte. Covid-19 wird es auch sein, sobald wir eine Impfung haben und sie flächendeckend einsetzen können. Aber bis dahin ist alles wichtig, was besser ist als nichts.

Masken hatten bisher in Deutschland ein Imageproblem: wer eine trug, machte sich verdächtig. Man dachte bei Maskenträgern nie an etwas Gutes, eher an Pest und Cholera, Banküberfall oder Karneval. 

Andere Länder, andere Sitten. Im asiatischen Raum ist es viel üblicher, Masken zu tragen, wenn man sich begegnet. Da gilt das als höflich, rücksichtsvoll, ein Zeichen von Respekt und Solidarität. In Südkorea ist es gelungen, die Epidemie auszubremsen. Masken aufzusetzen in der Öffentlichkeit war nach aller Wahrscheinlichkeit ein wirksamer Teil dieser Erfolgsstrategie. Wir haben uns doch immer aufgeregt, wenn Ideen aus Deutschland ungefragt anderswo nachgebastelt wurden. Ideen zu „klauen“ ist eigentlich die höchste Form von Anerkennung. Höchste Zeit, das wir jetzt „asiatischer“ werden, sprich: mehr an die Gemeinschaft denken, als nur an uns. Werden wir patent! Jeder für sich. Und alle für alle.

Datenschutz und Pandemie

Daten- gegen Seuchenschutz: Ist Smartphone-Tracking das Mittel gegen Ausgangssperren?

Je mehr Menschen in der Öffentlichkeit jetzt Masken tragen, desto normaler wird es für alle. Wir brauchen eine neue Normalität in dieser Ausnahmesituation. Wir sind alle Teil eines großen Sozialexperiments, einer globalen Studie, eines Testfalles, den es so noch nicht gab. Diese Situation fordert all unsere Intelligenz und Kreativität heraus. Wir haben in den letzten Wochen schon ziemlich viel hinbekommen, mit #maskeauf schaffen wir jetzt auch noch. Weil es wichtig ist. Und was bringt. Darin sind sich die Experten einig. Masken haben eine Wirkung, wie groß die ist, kann keiner sicher sagen, weil es dafür logischerweise gerade keine große prospektiv-randomisierte Doppelblindstudie gibt. Wer auf beiden Augen doppelblind ist, trägt die Maske zu hoch. Scherz.

Nicht hamstern, nicht klauen – selber basteln!

Covid-19 ist besonders fies und nutzt viele gesunde Menschen als Überträger, als Verteiler seiner dreckigen und für einige auch tödlichen Botschaft. Aber wenn wir die nicht weiterschleppen, langweilen die Viren sich zu Tode! Das müssen wir hinbekommen!

Weil wir aktuell nicht alle testen können, ist das Schlaueste: wir verhalten uns alle wie potentielle Überträger und schützen unsere Mitmenschen vor uns.

Wäschehersteller Mey

"Die Masken sind ein kleiner Schritt zur Freiheit"

Es gibt weiter Situationen, wo es schwer ist, den antiviralen Mindestabstand zu garantieren – in engen Straßen, beim Einkaufen, in Bahn und Bus. Es heißt ja nicht umsonst „Nahverkehr“. 

Was hilft dann? #maskeauf!

Vernünftige Dinge kann man doch tun, ohne dass es Pflicht ist, oder ohne dass Mutti sagen musste, oder?

Warum es so unterschiedliche Statements von Experten, Politikern und Behörden gab hat mit der Versorgungslage zu tun und mit der Richtung, aus der man die Masken betrachtet. Selbst gebastelte Masken sind kein „Atemschutz“, denn der Schutz vor Viren, die mich anfliegen, ist gering. Es ist aber ein guter Aus-Atem-Schutz. Ein Schutz für alle anderen!

Der Gesundheitsminister redet von „Community-Masken“, denn das allerwichtigste ist und bleibt: wir lassen alle Profimasken den Profis! Also: nicht hamstern, nicht klauen – selber basteln! Seit klar ist, wie sehr improvisierten Masken helfen, ist etwas Unglaubliches passiert.

Tausende Menschen haben angefangen, selbst Masken herzustellen. Und die Bilder davon unter dem Hashtag „#maskeauf” im Netz zu teilen, Anleitungen und viele Tipps aus dem Nähkästchen inklusive! Staubsaugerbeutel oder Kaffeefilter gehen auch. Ist auch eine schöne Geschenkidee. Das geht auch für Leute mit zwei linken Händen.

Alles was die Viren-Tröpfchen in ihrer Flugbahn bremst, funktioniert: Baumwollstoff, sprich ein altes T-Shirt. Ein Schal. Ein Kissenbezug. Ein Küchenhandtuch. Ein halber BH. Theoretisch auch ein Schlüpper, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aber wer meint, jetzt endlich String-Tanga überm Gesicht in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen, hat die Idee nicht ganz verstanden. 

Schutz gegen das Coronavirus

Stoffmasken gegen Corona-Virus: Warum wir sie jetzt alle tragen sollten

Die Maske gehört über Mund und Nase, deshalb auch abgekürzt MNS – Mund-Nase-Schutz. Schützt übrigens auch vor sichtbarem Doppelkinn, aber das ist eine Nebenwirkung. Apropos: Was ist die Packungsbeilage? 

Risiken und Nebenwirkungen

• Akuter Leichtsinn. Masken sind kein Freifahrtschein. Die Hygieneregeln gelten weiter.

• Falsche Handhabung. Nicht vorne auf die Maske tatschen – da könnten Viren drauf sein.

• Wenn die Maske feucht ist, leitet die leichter Tröpfchen von außen nach innen – deshalb: feuchte Maske runter – trockene auf. 

• Und nach Benutzung heiß waschen bei 60 Grad. 

Klar. Es ist kein Allheilmittel. Aber weil wir kein Allheilmittel haben, ist jede Maske Marke Eigenbau besser als nichts. Viel besser.

#maskeauf ist also das Gebot der Stunde – das Vermummungs-Gebot!

Die sichtbare und vor allem auch die unsichtbare Rotze (nennt sich auf schlau: das virenhaltige Aerosol), bleibt jetzt zum groben und großen Teil im Filter hängen. Das ist gut so. Und das, was noch durchkommt, ist auf alle Fälle langsamer und fliegt nicht mehr bis zum nächsten Menschen, sondern nur noch Kurzstrecke. 

Coronavirus

Wie die Behörden in Brüssel, Berlin und den Ländern auf die Jagd nach Schutzmasken gehen

Aber darf man das? Das Vermummungsverbot soll Straftaten verhindern. Aber Sie gehen ja nur Einkaufen. Und bezahlen. Und zwischen einer „gewalttätigen Menschenmenge“ und einer Familie ist auch ein Unterschied. Hoffentlich. 

#maskeauf ist also das Gebot der Stunde – das Vermummungs-Gebot! #maskeauf ist „Ausatemschutz“. Ansteckungsschutz für andere. Ein Baustein in der Strategie, diese Krise, so schnell wie es geht, zu überstehen. Und unsere Krankenhäuser, Ärzte, Pflege und Patienten, Kassier- Bäcker- und Busfahrer Innen, und alle unsere Mitmenschen zu schützen.

Jeder, der eine Maske aufsetzt, setzt diesen Trend, verändert unseren Blick, unsere Kultur. Lange wurden alle schräg angeschaut, die eine Maske trugen. Jetzt nicht mehr. Bald fallen die komisch auf, die keine tragen. 

Und jetzt komme ich zu der alles entscheidenden Frage: Was, wenn es Scheiße aussieht? Echt jetzt – ist das unsere größte Sorge gerade? Dann schauen Sie mal in Ihr Fotoalbum. Wie viele bekloppte Trends haben wir nicht schon in unserem Leben mitgemacht. Optik ist kein Argument. Und um es noch deutlicher zu sagen: An einem Beatmungsgerät sieht keiner gut aus. Und diese Situation können wir anderen ersparen. 

Es war noch nie so einfach Leben zu retten wie heute! 

Sind Sie dabei?

Erzählen Sie es weiter, teilen sie es, lassen Sie die Idee viral gehen – schneller als Corona!

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