Warum manche Corona-Schnelltests die Omikron-Variante nicht gut genug erkennen

Das regelmäßige Testen auf das Coronavirus gewinnt angesichts der anrollenden Omikron-Welle zunehmend an Bedeutung. Am Freitag setzten Bund und Länder zusätzliche Maßnahmen ins Werk (welche, lesen Sie hier), die dem Virus-Nachweis eine noch wichtigere Rolle einräumen: Mit dem aktuellen Beschluss wird eine bundesweite 2G-Plus-Regel in der Gastronomie eingeführt, die Quarantäne- und Isolationszeiten werden entschärft – für beide Beschlüsse sind belastbare Testergebnisse von hohem Stellenwert.

Vor diesem Hintergrund sorgt eine Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für Aufsehen: "Ich habe am Nachmittag das Paul-Ehrlich-Institut veranlasst, eine Positivliste vorzubereiten mit Tests, die für Omikron besonders geeignet sind beziehungsweise Omikron früh erkennen", sagte Lauterbach am Sonntagabend im "Bericht aus Berlin" (ARD).  

Corona-Pandemie


Intelligente Abwehr: Wie unser Immunsystem dank der Booster-Impfung auch neue Varianten erkennen kann

Das wirft die Frage auf: Warum erkennen manche Corona-Schnelltests aus Testzentren, Apotheken und auch Discountern die Omikron-Variante nicht zuverlässig oder rechtzeitig genug – offenbar im Gegensatz zu anderen Virusvarianten? Was ist anders?

"Die Omikron-Variante weist viele genetische Veränderungen im Vergleich zu den bisherigen Viren auf", erklärt der Virologe Ulf Dittmer vom Universitätsklinikum Essen auf Anfrage des stern. Und zwar nicht nur bei den viel diskutierten Veränderungen im Spike-Protein, sondern auch im Nukleokapsid-Protein – jenes Protein, das mit Hilfe von Antikörpern im Antigen-Schnelltest nachgewiesen wird. "Wenn die genetischen Veränderungen bei Omikron dazu führen, dass diese Antikörper nicht mehr richtig binden können, funktioniert der Antigen-Schnelltest nicht mehr", so Dittmer. "Da die Schnelltests unterschiedliche Antikörper verwenden, kann ein Test betroffen sein und ein anderer nicht." Die Problematik gelte für Schnell- und Selbsttests gleichermaßen.

Großteil der Corona-Schnelltests erkennt Omikron

Die angekündigte Positivliste solle eine bessere Orientierung bei der Test-Auswahl ermöglichen, erklärte Lauterbach, werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen. "Wir wissen nicht genau, wie gut diese Tests für Omikron wirken." Das habe man bisher nicht prüfen können, weil Referenzwerte gefehlt hätten. "Also wir wussten nicht genau: Wie viel Viruslast muss da sein, damit jemand mit Omikron infiziert überhaupt für andere ansteckend ist? Diese Daten bekommen wir gerade jetzt." Die Wahrscheinlichkeit sei mitunter "sehr hoch", dass vorhandene Tests auch Omikron nachweisen würden. "Das wissen wir aus der Literatur, aus den Studien."

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bekräftigte, das ein Großteil der in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests auch zum Nachweis der Variante geeignet seien. So verwies PEI-Präsident Klaus Cichutek am Montag im ZDF-"Morgenmagazin" darauf, dass das Institut mittlerweile mehr als 250 Test-Produkte auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schafften. 

Generell können Schnelltests eine Infektion nur dann erkennen, wenn zum Testzeitpunkt eine hohe Viruslast besteht. Dies gilt für Omikron ebenso wie für andere Varianten. Eine verringerte Sensitivität bedeutet, dass weniger Infektionen tatsächlich erkannt werden.

Genomsequenzierung


Auf der Suche nach der nächsten gefährlichen Mutation

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bereits Ende des Jahres Angaben zu den in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests veröffentlicht. Die große Mehrheit der Schnelltests schlage auf ein Protein des Virus an, dass von den Omikron-Mutationen vergleichsweise wenig betroffen sei, hieß es. Die Prüfergebnisse sind auf den Seiten des PEI im Internet einsehbar. Cichutek betonte, Testzentren, Apotheken und auch Discounter orientierten sich an den positiv bewerteten Tests.

Für eine "endgültige, qualitative und quantitative Aussage" seien allerdings weitere Untersuchungen, "insbesondere Vergleichsstudien mit Proben von Omikron-infizierten Personen erforderlich", schränkte das Institut Mitte Dezember ein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte zuvor mitgeteilt, dass vorläufige Daten einer Studie mit Lebendviren von Patienten darauf hindeuteten, "dass Antigentests die Omikron-Variante erkennen, aber möglicherweise eine verringerte Sensitivität aufweisen".

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