Vermute, er rechnet zu optimistisch: Spahns Klinik-Szenario droht sogar noch früher

Von rund 3000 Corona-Patienten auf über 6000. Gesundheitsminister Spahn fürchtet im November einen starken Anstieg der Intensivbettenbelegung. Statistikern Katharina Schüller sagt, wie realistisch seine Rechnung ist.

Rund 3000 Corona-Patienten liegen derzeit auf Deutschlands Intensivstationen. Bis zum Ende des Monats könnten es etwa doppelt so viele sein – das prognostizierte zumindest Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Politiker geht davon aus, dass „wir jetzt im November wahrscheinlich noch über 6000 Covid-19-Patienten gleichzeitig auf unseren Intensivstationen sehen“. Zumindest dann, „wenn es über einen längeren Zeitraum täglich 20.000 Neu-Infizierte gibt und davon zwei Prozent jeweils 14, 15 Tage lang auf Intensivstationen behandelt werden müssen.“ Das sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Am Mittwoch meldete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) deutschlandweit 3127 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, invasiv beatmet werden davon 1787. Das waren 68 Patienten mehr als am Vortag.

DIVI Das DIVI zeigt die Belegung der Intensivstationen.  

FOCUS Online hat bei Statistikern Katharina Schüller nachgefragt, wie realistisch diese Rechnung ist. Sie gibt Spahns düsterer Prognose Recht – und fürchtet sogar, dass er noch zu optimistisch ist.

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Laut Spahn: 6000 Intensivpatienten am 25. November

„Spahn rechnet relativ einfach“, erklärt die Statistikerin. Für seine Prognose multipliziert er die täglichen Neuinfektion von 20.000 mit den von ihm angegeben zwei Prozent. Das ergibt 400.

Diese 400 multipliziert er daraufhin mit 15 Tagen – und kommt auf 6000 Coronapatienten.“ Damit erreichen wir nach Spahns Rechnung am 25. November eine Belegung der Intensivstationen.

Statistikerin sieht Spahns Rechnung noch zu optimistisch

Die Statistikerin stellte ebenfalls Berechnungen an, bezog dabei auch die vom RKI ausgewiesene Dauern der Behandlung auf der Intensivstation (8 Tage) sowie die Dauer der Intensivbehandlung bei beatmeten Patienten (18 Tage) mit ein und setzte sie ins Verhältnis zu den Patienten. Damit geht sie nicht von einer durchschnittlichen Dauer von 15 Tagen wie Spahn aus. Nach der Rechnung der Statistikerin könnte die Zahl der Intensivpatienten damit sogar schon am 22. November die 6.000 überschreiten, nicht wie nach Spahns Prognose am 25. November.

Das erklärt Schüller mit der Dunkelziffer. „Die neue Teststrategie ist wieder rigider“, erklärt sie. „Das heißt, es werden keine Tests mehr durchgeführt, wenn man keine Symptome hat. Das bedeutet, die Dunkelziffer nimmt zu. Ich vermute, dass Spahn deshalb zu optimistisch rechnet.“

Auch Simulationen deutscher Forscher bestätigen Spahns Rechnung: Wissenschaftler der Universität des Saarlandes modellierten mithilfe eines Covid-Simulators, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland entwickeln wird.

Covid-Simulator bestätigt Spahn-Progonose

So erklärte etwa Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie, der an der Entwicklung des Covid-Simulators beteiligt war, gegenüber FOCUS Online: „Mit unseren Simulationen mussten wir leider feststellen, dass unabhängig davon, wie stark wir die weitere Ausbreitung von Sars-CoV-2 stoppen, Ende November etwa doppelt so viele Intensivbetten belegt sein werden, wie zu Spitzenzeiten der ersten Welle.“

DIVI Der Covid-Simulator zeigt bis Ende November ebenfalls einen Anstieg auf über 6000 Intensivpatienten (ICU), auch die Zahl der beatmeten Patienten wird weiter steigen (Ventilated).  

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Aus der Entwicklung im Frühjahr wisse man, dass sich erhöhte Infektionszahlen erst mit mehrwöchiger Verzögerung auf die Belegung der Intensivstationen auswirkten.

Spahns Rechnung zur Belegung der über 6000 Intensivbetten ist also durchaus realistisch, wenn nicht sogar zu optimistisch. Der Gesundheitsminister warnte jedoch. „Höher dürfen die Zahlen nicht steigen. Falls doch, würden wir absehbar an einen Punkt kommen, an dem das Gesundheitssystem überfordert ist.“

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