Ständige Impfkommission empfiehlt Astrazeneca nur noch für Menschen über 60

Wegen neuer Hinweise auf Komplikationen setzen mehrere Bundesländer die Immunisierungen mit dem Vakzin von Astrazeneca aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) sprachen auf einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen. Alle Meldungen rund um den Corona-Impfstoff und das Impfen in Deutschland lesen Sie im Ticker von FOCUS Online.

Informationen zur Coronavirus-Impfung vom 31. März 2021

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06.31 Uhr: Die USA und Deutschland sind bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen mit Abstand die größten Geldgeber. Die beiden Länder haben zusammen 3,7 Milliarden Dollar (3,16 Mrd Euro) zur Verfügung gestellt, wie aus einer Aufstellung des Zentrums für Globale Gesundheit am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf hervorgeht. Die USA investierten demnach fast 2,2 Milliarden Dollar, Deutschland 1,5 Milliarden Dollar aus der Staatskasse. Danach folgt mit großem Abstand Großbritannien, das auf 500 Millionen Dollar kommt. Insgesamt listet das Zentrum Investitionen von 5,9 Milliarden Dollar auf.

Nach dieser Aufstellung kamen zwar 98,12 Prozent der Forschungsgelder aus öffentlichen Quellen. Allerdings betont das Zentrum, dass in Bezug auf Investitionen von Pharmafirmen nicht genügend Informationen vorlägen. Deren Beitrag dürfte in der Aufstellung unterrepräsentiert sein, schreibt das Zentrum, ebenso wie Investitionen von Ländern, in denen eigene Impfstoffe entwickelt wurden oder werden.

Die größten Empfänger seien Unternehmen wie Moderna, Johnson & Johnson, Biontech/Pfizer, CureVac und die Universität von Oxford gewesen, die den Impfstoff von Astrazeneca mit entwickelt hat.

Das Genfer Zentrum verfolgt auch Herstellungs- und Kaufverträge. Die Datenlage sei aber noch komplizierter, hieß es. So lägen für 71 Prozent der Verträge keine Preise vor. Aus den Preisen, die veröffentlicht wurden, geht nach Angaben des Zentrums hervor, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer pro Dosis zwischen 6,75 und 23,50 Dollar kostet, das Moderna-Präparat zwischen 15 und 18 Dollar und das Mittel von Astrazeneca zwischen 2,50 und 8,00 Dollar. Der chinesische Impfstoff Sinopharm koste zwischen 18,55 und 35,72 Dollar pro Dosis.

Merkel betont: "Ich habe immer gesagt, dass ich mich impfen lassen werde, wenn ich dran bin"

21.55 Uhr: Schon im zweiten Quartal werde es einen "deutlichen Unterschied" beim Impfen geben, erklärt Spahn. Er zeigt sich überzeugt, im Laufe des dritten Quartals jeden zu impfen zu können. "Nur die Kinder noch nicht", sagt Merkel. Dann ist die Pressekonferenz beendet. Screenshot „Welt“

21.53 Uhr: Daten aus Schottland und England würden zeigen, dass der Impfstoff von Astrazeneca bei Älteren teilweise wirksamer sei als der von Biontech. Das betont Spahn noch einmal. Dann gibt es eine sehr persönliche Frage. Wird Merkel sich impfen lassen? "Ich habe immer gesagt, dass ich mich impfen lassen werde, wenn ich dran bin", erklärt die Kanzlerin. Die Möglichkeit, sich immunisieren zu lassen, sei für Merkel "näher gerückt", räumt die Regierungschefin ein.

21.50 Uhr: Für manche sei Astrazeneca nun eine Art "heiße Kartoffel", meint der nächste Journalist. Wie will die Kanzlerin das Vertrauen in das Vakzin wiederherstellen, soll es Kampagnen geben? "Ich kann nur wiederholen, dass wir alles tun, durch Transparenz, durch Information, durch Klarheit […] dieses Vertrauen so herzustellen, dass wir nichts hinterm Berg halten", sagt Merkel. Man lerne jeden Tag etwas Neues über den "Charakter" der Impfstoffe, fügt sie hinzu.

21.48 Uhr: "Es werden sich hinreichend viele Über-60-Jährige gerne schützen lassen mit diesem Impfstoff", zeigt sich Spahn trotz der aktuellen Situation zuversichtlich. Es mache Sinn, das Astrazeneca-Vakzin bei den Älteren einzusetzen. "Egal, ob im Impfzentrum oder in der Arztpraxis", erklärt er.

Merkel erklärt: "Kann Verunsicherung nicht wegreden"

21.45 Uhr: Der erste Fragesteller will wissen, ob die aktuelle Lage das Vertrauen in das Vakzin von Astrazeneca nicht noch weiter erschüttere als ohnehin schon. "Man muss sich immer die Frage stellen: Was sind die Alternativen?", erklärt Merkel. Natürlich würden sich viele Menschen nun fragen, was gerade vor sich gehe. "Das alles wird Verunsicherung mit sich bringen", gibt die Kanzlerin zu. Sie ist jedoch der Meinung, der aktuelle Weg führe noch zum "besten" Vertrauen in Astrazeneca – "wenngleich ich diese Verunsicherung nicht wegreden kann". Screenshot

21.43 Uhr: Jeder werde ein Impfangebot bekommen, das zum vollen Schutz führe, erklärt Spahn mit Blick auf Erstgeimpfte. "Impfen ist fast immer die bessere Entscheidung", sagt der Bundesgesundheitsminister zum Ende seiner Rede.  Dann dürfen Journalisten Fragen stellen.

21.42 Uhr: Spahn betont noch einmal, wie wirksam der Impfstoff von Astrazeneca sei. "Unter den Jüngeren kann jede und jeder selbst mit dem Arzt in einer Entscheidung für sich abwägen, ob er oder sie sich mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen möchte oder nicht", sagt der Bundesgesundheitsminister.

Spahn betont: Jetzige Situation "ohne Frage ein Rückschlag"

21.40 Uhr: Spahn dankt allen Experten für die sorgfältige Überprüfung der Ereignisse "rund um Astrazeneca". Die entsprechenden Empfehlungen würde man schon ab morgen mit Blick auf die deutsche Impfkampagne beherzigen. "Das bedeutet, dass die Über-60-Jährigen jetzt schneller geimpft werden können", sagt der Bundesgesundheitsminister. Die Älteren schneller zu schützen sei wichtig und helfe dabei, Leben zu retten. Screenshot „Welt“

21.39 Uhr: Nun ergreift Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das Wort. Die jetzige Situation sei "ohne Frage ein Rückschlag", sagt er. Es können einen Zusammenhang zwischen Astrazeneca und Hirnvenenthrombosen geben, erinnert sich der CDU-Politiker. "Bis gestern wurden 31 Fälle einer Hirnvenenthrombose nach Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca gemeldet, 9 davon verliefen leider tödlich", sagt er.

21.37 Uhr: Wie geht es nun mit der deutschen Impfkampagne weiter? "Wir werden Veränderungen an den Lieferplänen vornehmen müssen", sagt Merkel. Die Gesundheitsminister hätten schon erste Empfehlungen abgegeben, was dieses Thema betreffe. "Wir werden Schritt für Schritt die Pandemie überwinden können", schließt die Kanzlerin ihre Rede.

Merkel betont mit Blick auf Astrazeneca: "Wir müssen den Impfstoffen vertrauen können"

21.36 Uhr: Die Erkenntnisse der Stiko könne man "nicht ignorieren", so Merkel. "Wir alle wissen, das Impfen ist das wichtigste Hilfsmittel gegen das Coronavirus", sagt sie. Verschiedene Impfstoffe zur Verfügung zu haben, sei ein "großes Glück". "Wir wissen aber auch, das ganze Impfen, das beruht auf einem Grundsatz und das ist Vertrauen. Wir müssen den Impfstoffen vertrauen können", fügt die Kanzlerin hinzu.

21.35 Uhr: Für jüngere Menschen, die bereits mit einer Dosis Astrazeneca geimpft wurden, müsse noch eine Lösung erarbeitet werden, erklärt die Bundeskanzlerin. Sie bezieht sich dabei ebenfalls auf die Empfehlung der Stiko.

21.33 Uhr: Es geht los. Merkel zitiert zunächst aus dem Bericht der Ständigen Impfkommission (Stiko). Der Impfstoff von Astrazeneca soll demnach nur bei Personen über 60 Jahren verwendet werden.

21.30 Uhr: Die Beratungen sind offenbar beendet – Merkel und Spahn dürften also bald vor die Presse treten.

21.21 Uhr: Auch fast eine Stunde nachdem die Pressekonferenz hätte beginnen sollen, sind die Rednerpulte leer. Wie auch bei vergangenen Konferenzen mit den Ministerpräsidenten dauern die Beratungen offenbar länger an, als ursprünglich geplant.

Merkel: "Wir hätten uns schuldig gemacht, wenn wir hier der Stiko nicht gefolgt wären"

21.15 Uhr: "Wir hätten uns schuldig gemacht, wenn wir hier der Stiko nicht gefolgt wären": Wie die die "Bild"-Zeitung berichtet, soll Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Satz während der Beratungen mit den Ministerpräsidenten gesagt haben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe seinerseits vor einem großen Astrazeneca-Debakel gewarnt. Das Blatt zitiert ihn mit den Worten: "Das ist ein immenser Vertrauensverlust. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf dem Impfstoff sitzen bleiben." Peter Kneffel/dpa Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.

Söder habe außerdem gefordert, die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin gänzlich den Hausärzten zu übertragen. Konkret soll der CSU-Chef gesagt haben: "Die können die Risiken am besten bewerten. Wenn wir an diesen starren Prioritäten weiterhin festhalten, werden wir im Wald landen. Wir brauchen maximale Flexibilität und Entkriminalisierung für Ärzte, die es dann flexibler anwenden müssen."

21.04 Uhr: Auch mehr als eine halbe Stunde nach dem angekündigten Beginn der Pressekonferenz sind die Rednerpulte leer. Die Frage, wie Deutschland nun weiter mit dem Impfstoff von Astrazeneca verfährt, wird wohl erst am späteren Abend beantwortet werden.

20.46 Uhr: Noch immer fehlt von Merkel und Spahn jede Spur. Offenbar ziehen sich die Beratungen noch weiter in die Länge.

20.35 Uhr: Der Start der Pressekonferenz verschiebt sich offenbar um wenige Minuten. Bisher sind nur Teile der Beschlüsse, über die Merkel und Spahn sprechen werden, durchgesickert. So sollen ab Mittwoch nur noch Über-60-Jährige mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft werden.

20.27 Uhr: In wenigen Minuten beginnt die Pressekonferenz. Mit Spannung wird erwartet, was Merkel und Spahn mit Blick auf Astrazeneca-Impfungen verkünden werden.

Merkel und Spahn treten in wenigen Minuten vor die Presse

20.17 Uhr: In etwas mehr als zehn Minuten treten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) vor die Presse. Sie werden über das weitere Vorgehen bei der Verimpfung des Corona-Vakzins von Astrazeneca sprechen. FOCUS Online begleitet die Statements im Live-Ticker. Kay Nietfeld/dpa

Gesundheitsminister: Astrazeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren

19.46 Uhr: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern ab Mittwoch in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Unter 60-Jährige aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 sollen sich "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung" weiterhin damit impfen lassen können, wie aus dem Beschluss von Dienstagabend hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Zuvor hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) eine entsprechende Altersbeschränkung für Astrazeneca empfohlen. Grundlage seien derzeit verfügbare Daten zum Auftreten "seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen". Diese seien 4 bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegend bei Personen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten, teilte das beim Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Gremium mit. Dabei geht es um Auffälligkeiten mit Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, die vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet wurden.

Einige Bundesländer, Kommunen und Kliniken hatten Impfungen mit Astrazeneca bereits für unter 60-Jährige ausgesetzt.

Laut dem Beschluss der Gesundheitsminister soll es den Ländern nun frei stehen, auch jetzt schon die 60-69-Jährigen für das Mittel von Astrazeneca mit in ihre Impfkampagnen einzubeziehen. "Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden 3. Welle nun schneller zu impfen", erläutern die Ressortchefs. Derzeit laufen generell Impfungen in den ersten beiden Prioritätsgruppen, zu denen – bezogen auf das Lebensalter – Menschen ab 70 Jahre gehören.

Wenn Menschen unter 60 sich gemeinsam mit einem impfenden Mediziner für Astrazeneca entscheiden, sollen diese Impfungen grundsätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erfolgen.

Astrazeneca-Impfstoff: Merkel und Spahn beraten mit Ministerpräsidenten über weiteres Vorgehen

19.45 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) wollten sich am Abend noch mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zusammenschalten, um über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca zu beraten. Unter anderem Berlin und Brandenburg hatten die Nutzung am Dienstag wegen neuerlicher Bedenken zur Sicherheit auf über 60-Jährige beschränkt. Verfolgen Sie die anschließende Pressekonferenz hier im Live-Ticker auf FOCUS Online. Bernd von Jutrczenka/dpa

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