Spahn: Anwendung von Schnelltests „braucht begleitende Aufklärung“

Nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Spahn sollen bald Corona-Heimtests im Einzelhandel verkauft werden. Diese benötigten eine „begleitende Aufklärung“, sagte der Minister heute in Berlin. Dabei setzt er statt auf eine Apothekenpflicht und die damit verbundene persönliche Beratung vor allem auf die Gebrauchsanweisungen, die die Hersteller für eine entsprechende Zulassung so formulieren müssen, dass auch medizinische Laien sie problemlos verstehen können.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat der Bevölkerung im Corona-Lockdown wieder mehr Freiheit durch eine Ausweitung der Tests in Aussicht gestellt. Schell- und Selbsttests würden Schritt für Schritt helfen, „ein Stück mehr Freiheit“ wiederzuerlangen, sagte Spahn am heutigen Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Bundestag. Laien-Selbsttests seien geeignet, wenn jemand für sich Sicherheit haben wolle. Sie könnten aber auch dazu dienen, wieder Besuche von Theatern oder anderen Veranstaltungen zu ermöglichen: „Das ist die Perspektive.“ Nach der erfolgten Zulassung der ersten drei Selbsttests seien diese nicht sofort überall verfügbar. Er sei aber sehr zuversichtlich, so Spahn, dass Woche für Woche deutlich mehr Tests auf den Markt kommen werden. 

Wie heute bekannt wurde, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Selbsttests erteilt. Schnelltests, die geschultes Personal durchführen muss, sollen voraussichtlich in rund zwei Wochen unter anderem in Apotheken kostenlos angeboten werden können. Zunächst hatte Spahn den 1. März als Starttermin für seine erweiterte Testoffensive angepeilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trat jedoch auf die Bremse: Zunächst wird die Teststrategie aus dem Hause Spahn Thema bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 3. März sein. Bis dahin liegt das Vorhaben auf Eis.

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ABDA: 9 Euro sind nicht genug

Spahn verteidigte sich auch gegen Kritik, es habe in Deutschland vergleichsweise lange gedauert, bis Schnelltests für die Anwendung im Privaten zugelassen worden seien. Er wolle bewusst einen anderen Weg gehen als zum Beispiel Österreich, wo eine Selbstauskunft des Herstellers ausreicht, damit ein Schnelltests für den Gebrauch durch Laien verkauft werden darf, sagte der Minister auf eine Frage des Grünen-Abgeordneten Janosch Dahmen. Dafür brauche es einen Nachweis über die Qualität des jeweiligen Tests. „Dass der Hersteller einen Zettel unterschreibt und bestätigt, dass der Test gut ist, reicht mir nicht“, sagte Spahn. Um Verzerrungen durch falsch positive Tests zu vermeiden, soll zudem auch in Zukunft weiterhin die Zahl der positiven PCR-Tests ausschlaggebend sein für den Inzidenzwert. Spahn betonte erneut, dass auf jeden positiven Schnelltest eine weitere Testung per PCR im Labor folgen sollte.

Beim Gebrauch von Corona-Schnelltests durch Laien ergeben sich jedoch noch weitere Fragen. Eine davon: Wie soll sichergestellt werden, dass die Anwender den Test korrekt durchführen, um letztlich ein brauchbares Ergebnis zu erhalten? Auch für Spahn ist klar: Die Anwendung solcher Tests „braucht begleitende Aufklärung“. Statt auf die Beratung in den Apotheken setzt er allerdings insbesondere auf die Gebrauchsanweisung, die für jedermann verständlich sein muss. Geplant ist, dass Corona-Heimtests freiverkäuflich in den Handel kommen. Eine Apothekenpflicht, wie sie auch die ABDA gefordert hatte, ist nicht vorgesehen.

Was die Finanzierung der Tests angeht, ruderte der Minister zurück. Die Bezuschussung vonseiten des Bundes „hängt vom Preis im Einzelhandel ab“. In einem Entwurf, den er dem sogenannten Corona-Kabinett vorgelegt hatte, war noch von einer „geringen Eigenbeteiligung“ für die Bürger:innen in Höhe von 1 Euro die Rede gewesen, alle weiteren Kosten sollte demnach der Staat übernehmen. An dieser Marke hält Spahn offenbar nicht mehr fest. „Es macht einen Unterschied, ob ein Test im Discounter 2 oder 10 Euro kostet“, sagte er im Bundestag.

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