Partys nach der Arbeit, spontane Treffen: Probleme, die jeder Introvertierte kennt

Dieser Text erschien zuerst an dieser Stelle bei brigitte.de.

Introvertiert ist gleich schüchtern. Ein bisschen zurückhaltend und in sich gekehrt: Das denken die meisten Menschen über Introvertiertheit, vor allem diejenigen, die selber nicht introvertiert sind. Allerdings trifft diese Beschreibung so ungefähr gar nicht zu. Was introvertiert sein bedeutet – und wie es sich wirklich anfühlt.

Ein bisschen besser trifft da schon diese Beschreibung zu: Der Umgang mit anderen kostet introvertierte Menschen Energie, auftanken und sich erholen können sie am besten allein.

Daniel Kahneman


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Das heißt zwar nicht, dass Introvertierte keine sozialen Kontakte brauchen, im Gegenteil. Sie genießen es durchaus, Zeit mit anderen zu verbringen, und sind meist sehr mitfühlend, verständnisvoll und sensibel. Nur sind sie hinterher eben eher mal erschöpft und brauchen wieder ihre heiß geliebte Me-Time, während Extrovertierte schon direkt aufs nächste Date gehen können.

Alles klar? Vermutlich nicht! Daher hier sieben Probleme, die viele Introvertierte sehr gut kennen dürften, allen anderen eine grobe Vorstellung vermitteln können, wie sich Introvertiertheit auf Leben und Alltag der Betreffenden auswirkt – und vielleicht dabei helfen, ihre introvertierten Mitmenschen besser zu verstehen …

Wenn Sie diese Probleme kennen, sind Sie vermutlich introvertiert

1. Aktiv integrieren ist nicht so dein Ding
Von der Arbeit direkt zum Afterwork mit den Kolleginnen und anschließend nach Hause zum Freund? Für Introvertierte die absolute Horrorvorstellung! Vielleicht mal an einem Freitag, wenn das Wochenende (sturm)frei ist, aber unter der Woche eher selten. Selbst ihre Mittagspause verbringen Introvertierte gar nicht mal sooo ungerne für sich, denn allein können sie besser Kraft für den Nachmittag tanken als mit manchem Lunchdate. Diese Tendenz von Introvertierten zum Abkapseln ist niemals böse gemeint und bedeutet auch nicht, dass sie die anderen nicht mögen, nur wirken sie dadurch auf einige vielleicht etwas sonderbar …

2. Sie tuen sich schwer mit Spontaneität
Ansagen wie "Ich komm dann morgen Nachmittag vorbei!" oder "Lass uns doch jetzt direkt was trinken gehen!" bedeuten für Introvertierte vor allem eines: Stress. Die meisten bevorzugen feste Verabredungen, auf die sie sich einstellen und die sie einplanen können – inklusive der Erholungs-Me-Time danach.

3. Sie werden oft übersehen
Wurde jemand vergessen? Japp, wahrscheinlich die Introvertierteste. Introvertierte machen sich nunmal vergleichsweise rar, daher sind sie anderen nicht immer so präsent. Allerdings ist das zugegebenermaßen für Introvertierte oft weniger Problem als Vorteil …

4. Sie kommen selten zu Wort
Klar, wer mit jemand Introvertiertem befreundet ist, weiß, wie sie tickt und wird auf sie eingehen und dafür sorgen, dass sie zu Wort kommt. Doch gegenüber Fremden oder nur flüchtig Bekannten, können sich Introvertierte nur schwer durchsetzen. Für sie ist es schon anstrengend genug, dabei zu sein und alles aufzunehmen. Da reicht die Kraft oft nicht, um sich Aufmerksamkeit zu erkämpfen – oder sie auszuhalten.

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5. Sie wirken manchmal sonderbar und distanziert
Das Verrückte ist: Smalltalk und oberflächlicher Kontakt ist für viele Introvertierte überhaupt kein Problem. Doch sobald es ernster wird und Menschen ihnen zu schnell zu nahe kommen, werden sie unsicher und ziehen sich zurück. So richtig an sich ran für eine langfristige, enge Beziehung lassen Introvertierte nur wenige Personen. Vielleicht, weil sie instinktiv wissen, dass sie von zu vielen Menschen in ihrem Leben sowieso überfordert wären und niemals allen gerecht werden könnten – schon gar nicht sich selbst.

6. Sie brauchen oft Ausreden, um abzusagen
"Morgen kann ich nicht, ich bin nämlich leider heute schon verabredet, daher brauche ich morgen Zeit für mich." Klingt komisch? Ist es aber nicht, jedenfalls nicht für einen introvertierten Menschen. Aber weil vielen bewusst ist, dass einige so einen Absage-Grund sonderbar fänden, reden sich Introvertierte oft heraus. Das wiederum verursacht ihnen dann meist ein schlechtes Gewissen, bringt sie aus dem Konzept und führt dazu, dass sie sich nicht gut fühlen. Und alles nur, weil sie als Introvertierte Angst davor haben (müssen), ehrlich zu sein.

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7. In Auseinandersetzungen ziehen Sie meistens den Kürzeren
Mit Introvertierten kann man super streiten – weil sie meistens nachgeben. Auseinandersetzungen sind für viele Introvertierte der Horror, weil sie dabei all das tun müssen, was sie am meisten anstrengt: Sich Gehör verschaffen, ihre Interessen an erste Stelle setzen, Gefühle zeigen, sich anderen öffnen und ihnen nahe kommen. Dann lieber zurückstecken und Ruhe haben …

Zugegeben: Es mag jetzt vielleicht ein bisschen so scheinen, als seien Introvertierte unsicher oder unglücklich, aber das ist nicht der Fall! Natürlich können sie ebenso glücklich und mit sich im Reinen sein wie jeder extrovertierte Mensch, und auch ihre Beziehungen genießen und pflegen die meisten mit viel Liebe und Gefühl. Doch genau wie Extrovertierte zum Beispiel schwer allein sein können, ohne sich einsam und wertlos zu fühlen, stellen sich Introvertierten Herausforderungen, die ihnen schwerfallen. Das Wichtigste ist, dass wir uns so anzunehmen und zu lieben lernen, wie wir sind. Den perfekt angepassten, fertigen Menschen gibt es schließlich sowieso nicht. Aber mal ehrlich: Wer wollte das schon …?

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