Mein liebes Tagebuch

Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz bei einer Veranstaltung der Jungen Union mit DocMo-Maske – wie geschmacklos ist das denn! Wir warten auf die Entschuldigung der JU. Nicht mehr warten will unser ABDA-Präsident aufs Rx-Versandverbot – das hat er schon lange abgehakt, er freut sich aufs VOASG. Und die honorierten Dienstleistungen. Da muss er wohl noch warten. Weiter warten müssen die AvP-Apotheken auf Entschädigung – dass Noventi allen Apotheken die AvP-Forderungen abkauft, war nur ein Irrlicht. Und die Kunden von Gehe und Alliance Healthcare werden warten müssen, was sich aus der Fusion ihrer beiden Großhändler ergibt. Nur auf eins müssen wir nicht mehr lange warten – bis nämlich die ersten Retaxen wegen fehlender Dosierungsangaben kommen. 

2. November 2020

Man ist ja daran gewöhnt, dass Sportler mit Werbung auf ihren Trikots und Helmen vor die Kamera treten – fürs Sponsoring möchten die Firmen einen Gegenwert haben: Schaut her, wir sind’s, die dem Sportler finanziell unter die Arme greifen. So weit so gut so verständlich. Auf der politischen Bühne sieht die Lage dagegen anders aus. Natürlich fließen auch hier Sponsorengelder, man darf, man muss die Sponsoren auch nennen. Wenn allerdings Politiker mit einer Mund-Nase-Schutzmaske öffentlich auftreten, auf der das Logo des Sponsors prangt, dann geht das eindeutig zu weit. So geschehen auf der Veranstaltung „The Pitch“ der Jungen Union, auf der der Veranstalter unsere drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz (Merz, Laschet, Röttgen) mit einer Maske vor die Kameras schickten, auf der das Logo des Versenders DocMorris aufgedruckt war. Mein liebes Tagebuch, wie unsensibel, ja wie geschmacklos ist das denn! Welches Signal will die Junge Union damit aussenden? War das so bewusst gewollt mit der Maxime: Wir wollen den Versandhandel, wir haben keine Berührungsängste zu DocMorris und Co.? Oder war es nur „jugendlicher“ Leichtsinn? Die drei CDU-Kandidaten mit Masken auftreten zu lassen, auf denen das DocMorris-Logo prominent zu sehen ist, sei ein deutlicher Affront gegen die Vor-Ort-Apotheken, findet zu recht Benedikt Bühler. Der Pharmaziestudent, der sich bereits einen Namen als erfolgreicher Petent für ein Rx-Versandverbot gemacht hat, ist zwar selbst JU-Mitglied, aber diese JU-Aktion kann er in keiner Weise gutheißen. Jetzt fordert er vom JU-Vorsitzenden Tilman Kuban eine öffentliche Entschuldigung. „Denn“, so Bühler, „einen Sponsor zu nennen ist etwas komplett anders, als damit aktiv Werbung zu machen.“ Die JU habe mit dieser Aktion eine Grenze überschritten.

 

Endlich, es geht los: Das Insolvenzverfahren des Apothekenrechenzentrums AvP Deutschland GmbH wurde am 1. November eröffnet. Bis zum 24. November müssen betroffene Apotheken ihre Forderungen gegen AvP beim Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos melden, der die Forderungen prüfen und zudem die Vergangenheit des Unternehmens aufarbeiten wird. Mein liebes Tagebuch, wie es heißt, ist es wichtig, dass die Apotheken bei der Forderungsanmeldung die Aussonderungsansprüche geltend machten. Das sollte der Insolvenzverwalter berücksichtigen – falls nicht, müsste dieser  Anspruch außerhalb des Insolvenzverfahrens auf dem Zivilrechtsweg geltend gemacht werden. Am 15. Dezember wird dann die Gläubigerversammlung in Düsseldorf stattfinden, in der dann über den Fortgang des Verfahrens beschlossen wird. Nein, mein liebes  Tagebuch, das wird keine schöne Vorweihnachtszeit für die betroffenen Apotheken. 

Was immer deutlicher wird: Wie aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP hervorgeht, soll es bereits im November 2019 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben haben: Hinweise auf mögliche Defizite bei der Rechnungslegung der AvP. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin sei dem zunächst nicht nachgegangen. Der FDP-Abgeordnete Wieland Schinnenburg wirft der BaFin deswegen Versagen vor. Mein liebes Tagebuch, möglich, dass die BaFin nun aufgewacht ist: Offenbar geht sie nämlich gerade Hinweisen auf finanzielle Unregelmäßigkeiten bei weiteren Apothekenrechenzentren nach. Mein liebes Tagebuch, kommt da noch mehr auf uns zu? Was auf jeden Fall deutlich wurde: Wenn Apothekenrechenzentren als „Factoring-Unternehmen“ arbeiten, sind die eingehenden Gelder der Krankenkassen nur unzureichend geschützt. Denn: Factoring-Institute sind nicht verpflichtet, „Treuhandkonten im Sinne insolvenzfester Konten bzw. Anderkonten für ihre Kunden einzurichten“. Mein liebes Tagebuch, wenn ich jetzt eine Apotheke hätte, wüsste ich was ich umgehend machen würde…

Quelle: Den ganzen Artikel lesen