Mann formuliert nach Herzinfarkt gute Vorsätze: "Das Leben ist buchstäblich zu kurz"

In dem Moment, in dem der Brite Jonathan Frostick einen Herzinfarkt erlitt, sah er kein helles Licht und auch sein Leben rauschte nicht im Schnelldurchlauf an ihm vorbei – vielmehr gingen ihm vier Gedanken in genau dieser Reihenfolge durch den Kopf. Erstens: Wie unpassend diese Enge in der Brust und die Atemnot gerade seien, er hätte doch eigentlich am nächsten Tag einen wichtigen Termin mit seinem Chef gehabt. Zweitens: Wie könne er bloß die Finanzierung für dieses eine wichtige Projekt sichern? Drittens: Sein Testament, das nicht auf dem aktuellsten Stand ist. Und zu guter Letzt der Gedanke an seine Ehefrau und der Wunsch, dass sie ihn nicht tot auffinden möge.

Essen mit Nebenwirkung


Zuerst wurden die Füße taub, dann die Beine. Am Ende war er verwirrt – was steckt dahinter?

Sechs Vorsätze für ein besseres Leben

Der Vater von drei kleinen Kinder überlebte seine Herzattacke und stellte neben seinen vier vermeintlich letzten Gedanken sechs Vorsätze für sein neues Leben nach diesem Weckruf auf. Zukünftig möchte er nicht mehr den ganzen Tag bei Zoom verbringen und seine Arbeit mit einer neuen Einstellung angehen: "Ich werde mir wirklich nie wieder irgendeinen Scheiß auf der Arbeit gefallen lassen – das Leben ist buchstäblich zu kurz." Jeder Tag, den er mit seiner Arbeit verbringe, solle etwas wert sein, ansonsten wäre es an der Zeit, seinen Beruf zu überdenken. Außerdem möchte er 15 Kilogramm an Gewicht verlieren und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Denn "das ist es, was mich der nahe Tod bisher gelehrt hat."

Seine Gedanken und Beschlüsse für ein besseres Leben formulierte der 45-jährigen IT-Mitarbeiter vom Krankenhausbett aus und veröffentlicht sie auf seinem LinkedIn-Kanal. Mittlerweile hat der Post mehr als 250.000 Likes und über 13.000 Kommentare, in denen viele LinkedIn-Nutzer Frostick eine gute Besserung wünschen, aber vielfach auch von ähnlichen gesundheitlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrem Job berichten – denn der Grund für Jonathans Herzinfarkt ist nicht von der Hand zu weisen: Er hat sich überarbeitet.

Zwöf-Stunden-Schichten und Wochenendarbeit

Der Familienvater aus London scheint damit nur ein weiterer Mitarbeiter der Finanzbranche zu sein, der die gesundheitlichen Konsequenzen der sogenannten "work-till-you-drop-culture" (auf Deutsch: "Arbeite, bis du umfällst"-Kultur) am eigenen Leib zu spüren bekommt. "Während ich früher vernünftigerweise irgendwo zwischen fünf und halb sieben fertig wurde, finde ich mich an einem Freitag um acht Uhr abends erschöpft wieder und denke, ich muss etwas für Montag vorbereiten und habe keine Zeit. Ich habe dann angefangen, tatsächlich an den Wochenenden zu arbeiten", sagte Frostick in einem Telefoninterview mit "Bloomberg" von seinem Haus in Dorset aus. "Das ist meine Verantwortung. Ich denke, das war für mich wahrscheinlich der Punkt, an dem die Grenzen verwischt wurden."

Gerade die Kombination aus Corona-Pandemie und Homeoffice habe es schwer für ihn gemacht, Privatleben und Arbeitszeiten voneinander zu trennen. Zwölf Stunden am Schreibtisch wurden für Jonathan Frostick zum Alltag. Auch an dem Sonntag, an dem er den Herzinfarkt erlitt, hatte er sich gerade an den Schreibtisch gesetzt, um die anstehende Arbeitswoche vorzubereiten. Seinen Arbeitgeber, die HSBC Bank, möchte er mit seinem Post und seiner Geschichte jedoch nicht beschuldigen: "Ich glaube nicht, dass dies ein schlechtes Licht auf meinen Arbeitgeber wirft. Ich denke, das ist in der gesamten Branche ziemlich einheitlich, und ich denke, dass es deshalb bei so vielen Leuten Anklang gefunden hat", sagt Frostick zu "Bloomberg". Er allein sei selbst verantwortlich für die Vernachlässigung seiner Gesundheit.

Inzwischen erholt sich Jonathan Frostick zu Hause im Kreis seiner Familie von den Folgen seines Herzinfarkts. Er ist immer noch geschwächt und kann nur für wenige Stunden am Stück das Bett verlassen, trotzdem ist es ihm wichtig, seine Erfahrung und seinen Weckruf mit seinen Mitmenschen zu teilen. Er ruft auch sie zum Umdenken auf: "Ich trage eine Verantwortung für mich und andere Menschen. Das ist mir passiert, das könnte auch dir passieren. Du musst das ändern." Denn nur für die Arbeit sei das wahre Leben einfach zu kurz.

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