Lothar Wieler verlässt das Robert Koch-Institut

Ein Schritt, der überraschend kommt: Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Prof. Lothar H. Wieler, wird auf eigenen Wunsch zum 1. April sein Amt niederlegen. Das teilten das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut am Mittwoch mit. Wieler wolle sich neuen Aufgaben in Forschung und Lehre widmen. Der Schritt erfolge im Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. 

Seit März 2015 steht Wieler an der Spitze des RKI. Für eine Übergangszeit wird Wielers Aufgabe durch seinen Stellvertreter Prof. Lars Schaade übernommen. Mit ihm tritt eines der bekanntesten Gesichter der Coronakrise in Deutschland ab.

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Im März wird Wieler seine letzten Arbeitstage im RKI haben. Der März ist eine Art Schicksalsmonat für den scheidenden Präsidenten. Denn im März 2020 versetzte die damalige Bundesregierung auch auf Grundlage seines Rats Deutschland in einen Ausnahmezustand, der in der Geschichte beispiellos war: Schulen wurden geschlossen, Kontakte wie nie zuvor eingeschränkt, Gaststätten, Friseure und ähnliche Betriebe mussten die Arbeit einstellen.

Lauterbach bedauert Wielers Ende beim RKI

Dies waren zwar politische Entscheidungen. Sie gründeten aber auf den wissenschaftlichen Auseinandersetzung im RKI mit dem Coronavirus und den Empfehlungen zur bestmöglichen Bekämpfung. "In der Pandemie hat das Robert Koch-Institut seine Exzellenz unter Beweis gestellt. Es war ein Privileg, in dieser Krise an exponierter Position zusammen mit einem motivierten Team hervorragender Expertinnen und Experten arbeiten zu dürfen", erklärte der 61-jährige Wieler. Er dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für ihren "außergewöhnlichen Einsatz". "Genauso danke ich den Gesundheitsministern, mit denen ich zusammenarbeiten durfte."

Regelmäßig sahen Millionen zu, wie Wieler mit klaren Worten und eindringlicher Stimme die aktuelle Coronalage beschrieb, an seiner Seite immer wieder der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und später dessen Nachfolger Karl Lauterbach (SPD).




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47 Auftritte – so zählte es die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" – hatte allein Wieler vor der Bundespressekonferenz. Im Gespräch mit der Zeitung zeigte sich der RKI-Präsident vor gut einem Monat selbstkritisch. "Ich hätte mir im Nachhinein gewünscht, dass ich manche Dinge besser erklärt hätte", sagte der Rheinländer.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach sagte, dass er die Zusammenarbeit mit Wieler schätzte. Dieser habe sich bei der Bewältigung der Pandemie "für das Land bleibende und herausragende Verdienste erworben". Daher bedauere er, dass Wieler das RKI verlässt. "Ohne Prof. Wieler wäre Deutschland deutlich schlechter durch diese Pandemie gekommen. Dafür möchte ich mich auch im Namen der gesamten Bundesregierung ganz herzlich bedanken."

Vor Corona kannten vor allem Fachleute Lothar Wieler

Die Aufgabe eines RKI-Präsidenten war in den Jahrzehnten davor nie darauf ausgerichtet, so im Mittelpunkt zu stehen, wie während der Corona-Pandemie. Und auch den seit 2015 an der Spitze des Robert-Koch-Instituts stehenden Wieler kannten vor der Coronapandemie vor allem Fachleute.

Wieler ist von Hause aus Veterinär. 1998 wurde er Professor und dann geschäftsführender Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität Berlin, bevor er das Amt des RKI-Präsidenten übernahm.

In dieser Rolle wurde Wieler zum Überbringer der schwierigen Neuigkeiten zur Coronalage. Spätestens seit der Entspannung auf diesem Gebiet und mit dem Regierungswechsel zur Ampelkoalition geriet allerdings auch Wieler immer wieder in die Kritik. Als etwa das RKI vor knapp einem Jahr den Genesenenstatuts quasi über Nacht von sechs auf drei Monaten verkürzte, griff auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach die "Kommunikationsfehlleistung" an.

Wieler hinterlässt einen Abschiedssatz, der eine klare Warnung an die Politik ist, sich nicht in die Belange des RKI einzumischen: "Die Unabhängigkeit der Forschung muss auch zukünftig akzeptiert werden, denn sie ist unabdingbar, damit das RKI seine Aufgaben erfüllen kann."

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