Hörverluste heilen: Entschlüsseltes Protein soll es ermöglichen – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Ist Schwerhörigkeit bald reversibel?

Hörverluste und Schwerhörigkeit gehören zu den häufigsten Erkrankungen und ziehen oftmals einen Verlust an Lebensqualität nach sich. Rund 14 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland unter Hörschäden. Heilende Therapien gibt es derzeit nicht. Schwerhörigkeit wird in der Regel durch Hörgeräte ausgeglichen. Ein Forschungsteam entschlüsselte nun eine Prozess, der heilende Behandlungen von Hörverlusten ermöglichen und geschädigte Zellen im Ohr nachwachsen lassen könnte.

Forschende der University of Maryland School of Medicine entschlüsselten die Rolle eines Proteins, das für die Entstehung neuer Haarzellen verantworlich ist. Das Protein GFI1 entscheidet, ob aus einer Stammzelle eine Haarzellen oder eine andere Zelle wird. Mithilfe des Proteins könnten Zellen im Ohr dazu angeregt werden, neue Haarzellen auszubilden, die für ein gutes Gehör unabdingbar sind. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Development“ vorgestellt.

Was sind Haarzellen?

Das Hören hängt von der einwandfreien Funktion spezialisierter Zellen im Innenohr ab, die als Haarzellen bezeichnet werden. Einige dieser Zellen verstärken Töne, die ins Ohr gelangen, und andere wandeln Schallwellen in elektrische Signale um, die zum Gehirn weitergeleitet werden. Wenn Haarzellen sich nicht richtig entwickeln oder durch Umweltbelastungen wie Lärm geschädigt werden, führt dies zu einem Verlust der Hörfunktion. Auch der altersbedingte Hörverlust ist oft auf das Absterben solcher Haarzellen zurückzuführen.

Die aktuelle Forschungsarbeit vollzieht erstmals die Entwicklungsschritte nach, die zum Heranwachsen einer funktionierenden Haarzelle führen. Dies ist die Grundlage, um Therapien zu entwickeln, um neue Haarzellen zu erzeugen, wenn die vorhandenen zu beschädigt sind.

Sind Hörschäden bald reversibel?

Bei Versuchen an genveränderten Mäusen zeigte das Team, dass Mäuse, die nicht in der Lage sind, das GFI1-Protein zu bilden, keine funktionsfähigen Haarzellen im Ohr ausbilden. „Unsere Ergebnisse erklären, warum GFI1 entscheidend dafür ist, dass sich embryonale Zellen zu funktionierenden Haarzellen entwickeln können“, berichtet Dr. Ronna Hertzano aus der Arbeitsgruppe. GFI1 könne aus Stammzellen Haarzellen werden lassen. Das Einsetzen solcher Zellen in das Ohr von Hörgeschädigten habe das Potenzial, Hörverluste zu regenerieren.

Neuer Aufschwung in der Hörforschung

„Die Hörforschung hat eine Renaissance erlebt, nicht nur durch Fortschritte in der Genomik und Methodik, sondern auch dank der einzigartigen Zusammenarbeit zwischen den Foschungsteams“, erläutert Dr. Herzano. Die aktuellen Erkenntnisse unterstreichen die Wichtigkeit der Grundlagenforschung. Denn nur wenn man den Weg kenne, der zu einem normalen Hören führe, könnte dieser Prozess auch umgekehrt und Hörverluste rückgängig gemacht werden. (vb)

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