Fachkräftemangel: Von der Homepage in die Apotheke

Nicht viele junge Fachkräfte rücken in die Apotheke nach. Von den frisch Approbierten ist es jedes Jahr nur noch etwa ein Drittel. Um mehr Nachwuchs zu rekrutieren, startete die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg nun ihre Website „Karriere-auf-rezept.de“. Sie soll Schüler:innen und deren Eltern zeigen, warum es cool ist, in der öffentlichen Apotheke zu arbeiten. Die Homepage ist nur ein weiterer Schritt, denn die LAK hat noch weitere Projekte in der Pipeline.

Sie begann mit Flyern, Plakaten, mehr Präsenz sowohl auf Berufsmessen als auch digitalen Messen – die Nachwuchsoffensive der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Nun geht die Kampagne einen Schritt weiter, um junge Menschen von der Karriere in der Apotheke vor Ort zu überzeugen.

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Wie die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg am vergangenen Mittwoch mitteilte, ist nun die Website „karriere-auf-rezept.de“ online. Sie soll vor allem Schülerinnen und Schüler von einem Job in der Apotheke überzeugen. Auch deren Eltern und alle weiteren Interessenten soll die Seite informieren, welche Laufbahnen die Offizin für den Nachwuchs bereithält.

Nachwuchs – heute ein kleines, morgen ein großes Problem

Schon jetzt belasten fehlende Fachkräfte zunehmend die Apothekenlandschaft – dabei beginnt das Problem gerade erst. 44 Prozent der Apothekenleiter:innen werden in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen. Doch von den rund 2.300 jährlich frisch approbierten Apotheker:innen strebt nur etwa ein Drittel eine Karriere in der Offizin an. Auch pharmazeutisch-technische und -kaufmännische Angestellte werden gesucht. Einige PKA-Schulen müssen schließen, da sich nicht genügend Bewerber finden.

„Der Nachwuchsmangel ist eines der drängendsten Probleme, die sich für die öffentliche Apotheke, aber auch der Industrie und Klinikapotheken stellt“, sagt Apotheker Patrick Schäfer. Er ist für den Bereich Aus-, Fort-, und Weiterbildung bei der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg verantwortlich und koordiniert die Nachwuchsoffensive. „Die neue Homepage war wichtig – und ein weiterer Schritt.“

Neben der neuen Website schickte die Kammer an alle Baden-Württemberger Apotheken „Ausbildungs-Info-Pakete“. Sie appellieren an die Apotheken, auszubilden und pharmazeutische Berufe bekannter zu machen.

Zielgruppen ansprechen: gezielt und professionell

Um Nachwuchs zu gewinnen, hat die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg früher selbstständig Info-Materialien erarbeitet. Aber wenn man erfolgreich sein will, so Schäfer, beschäftige man heute eine professionelle Agentur. Diese muss die Zielgruppe gezielt erreichen können. „Wenn ich selbst einen Flyer entwerfe, gefällt der vielleicht mir. Ich bin aber nicht mehr 16 Jahre alt.“

Für die Produktion des Videos und der Website arbeitete die Landesapothekerkammer mit dem Radiosender big FM zusammen. Der Kanal ist im süddeutschen Raum vor allem bei Hörern zwischen 14 und 29 Jahren verbreitet.

Auf der Website sollen einige Hashtags den Besuchern auf einen Blick verdeutlichen, warum sie sich für einen Job in der Apotheke entscheiden sollten. #Sinnvoll, #Zukunfts- und #Krisensicher, #Regional, #vielseitig und #für alle – wenige, klare Botschaften sollen beim potenziellen pharmazeutischen Personal von morgen ankommen.

Auch ein Video findet sich auf der Website. Die junge PTA Hannah strahlt im Kittel in die Kamera, PKA Elias schiebt konzentriert eine Packung Elotrans in den Kommissionier-Automaten. Apotheker Sebastian pipettiert im Apothekenlabor Kupfersulfat-Lösung in eine Porzellanschale.

Nachwuchsförderung wird ABDA-Sache

Doch mit der Website und dem Video soll es nicht getan sein: „Wir wollen unsere Nachwuchsoffensive nach und nach ausbauen“, erklärt Patrick Schäfer. In Zukunft könnte die LAK pharmazeutische Berufe noch stärker in die Öffentlichkeit rücken, sowohl durch Veranstaltungen als auch durch soziale Medien oder Werbekampagnen.

Auch die ABDA will sich dem Thema Nachwuchsförderung stärker widmen. Erst vor zwei Wochen stimmten beim Apothekertag die Delegierten einem Antrag zu, nachdem sich die ABDA und deren Mitgliedsorganisationen abstimmen wollen, um ein „ineinandergreifendes Konzept zur Nachwuchsförderung“ auf den Weg zu bringen.

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