Donepezil bei Albträumen morgens einnehmen?

Die Fach- und Gebrauchsinformationen des bei Alzheimer-Demenz angewendeten Acetylcholinesterase-­Inhibitors Donepezil mussten Ende letzten Jahres angepasst werden. Basierend auf Empfehlungen des Pharmakovigilanzausschusses PRAC der EMA muss künftig über eine gesteigerte Libido und Hypersexualität als mögliche Nebenwirkung berichtet werden. Außerdem gibt es einen neuen Beratungshinweis, falls unter der Donepezil-Therapie Albträume auftreten.

Zuletzt haben die Zulassungen von Alzheimer-Antikörpern in den USA bei so manchen die Hoffnung auf eine irgendwann mögliche Heilung der Erkrankung geschürt. Doch so weit ist es noch nicht, wie die jüngsten Entwicklungen zeigen. Therapie der Wahl bei der Alzheimer-Demenz sind deshalb weiterhin die Acetylcholinesterase-­Inhibitoren und der NMDA-Antagonist Memantin. 

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Mit Acetylcholinesterase-Inhibitoren soll der Acetylcholin-Mangel im synaptischen Spalt bei Alzheimer kompensiert werden. Bei der leichten und mittelschweren Alzheimer-Demenz sind die Wirkstoffe Donepezil (Aricept®), Rivastigmin (Exelon®) und Galantamin (Reminyl®) zugelassen. Diese sollen sich in der Wirksamkeit nicht unterscheiden. Donepezil muss aufgrund seiner Halbwertszeit aber beispielsweise nur einmal täglich eingenommen werden. „Welche der drei Substanzen für die Therapie ausgewählt wird, soll vor allem nach den Wechselwirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Wirkstoffe entschieden werden“, hieß es in der DAZ 10/2022. 

Für Donepezil sind nun neue Nebenwirkungen zu beachten, wie einem BfArM-Bescheid (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zu entnehmen ist, der vergangene Woche infolge einer PRAC-Empfehlung veröffentlicht wurde. 

Acetylcholinesterase-Inhibitoren auch wegen Risiken nicht unumstritten

In der DAZ 10/2022 war außerdem zu lesen, dass Donepezil und Rivastigmin in den USA auch zur Behandlung der schweren Alzheimer-Demenz zugelassen sind, allerdings sind Antidementiva aufgrund ihrer geringen Wirkstärke insgesamt nicht unumstritten. „Auf die Seite der Kritiker hat sich auch der französische Staat geschlagen, der entschieden hat, dass ab 1. August 2018 die Antidementiva Donepezil, Rivastigmin, Galantamin und Memantin nicht mehr durch die staatliche Gesundheitsversicherung erstattungsfähig sind. Neben den Zweifeln an der klinischen Bedeutsamkeit der Präparate werden auch Warnungen über ein erhöhtes Bradykardie-Risiko der Cholinergika ins Feld geführt“, erklärte DAZ-Autor Dr. Tony Daubitz im März vergangenen Jahres.

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Tatsächlich informierten die Zulassungsinhaber donepezilhaltiger Arzneimittel erst Ende 2021 mittels Rote-Hand-Brief über das Risiko von QTc-Intervallverlängerung und Torsade-de-Pointes. Es wurde eine EKG-Überwachung bei Risikofaktoren empfohlen. Zuvor hatte Galantamin im Juni 2021 entsprechende neue Warnhinweise erhalten. Während Herzerkrankungen wie Bradykardie als Nebenwirkung in der Fachinformation von Donepezil aktuell aber nur mit der Häufigkeitsangabe „gelegentlich“ gelistet werden, zählen Diarrhoe, Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit zu den häufigsten unterwünschten Wirkungen (UAW). 

Dosisreduktion oder morgendliche Einnahme von Donepezil?

Aber auch psychatrische Symptome werden als häufige Nebenwirkungen angegeben, darunter: Halluzinationen, Erregungszustände, aggressives Verhalten, ungewöhnliche Träume und Albträume. Diese sind laut Fachinformation (Stand Dezember 2022) nach Dosisreduzierung oder Absetzen der Behandlung reversibel. Doch nicht immer muss Donepezil abgesetzt werden, wenn solche Nebenwirkungen auftreten: Wie es in der Fachinformation von Aricept (Stand Dezember 2022) bereits heißt – und worauf laut Pharmakovigilanzausschuss der EMA vom 17. Januar 2023 bei allen Donepezil-Präparaten künftig in den Produktinformationen hingewiesen werden soll –, kann auch der Wechsel zu einer morgendlichen Einnahme helfen:

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