Die Pandemie hat die RSV-Symptome verändert

Das Ende der Corona-Maßnahmen sorgte für eine sehr frühe, sehr heftige RSV-Welle bei Kleinkindern. Forschende aus Dänemark haben nun herausgefunden, dass es seit der Pandemie zudem gehäuft zu ungewöhnlichen Symptomen kam. Was bislang bekannt ist und zwei Mittel, die Hoffnung machen.

Ungewöhnlich früh und ungewöhnlich heftig: Seit Oktober hält die RSV-Welle in Deutschland an. Zahlreiche Kinder sind infiziert, viele Kinderkliniken arbeiten noch immer am Limit. RSV steht für den Atemwegserreger Respiratorisches Synzytial-Virus, der vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden kann.

Grundsätzlich gilt bei RSV: Fast alle Kleinkinder stecken sich in den ersten beiden Lebensjahren an. Er verursacht bei Kindern wie Erwachsenen Infektionen der Atemwege. Gerade bei Säuglingen kann der Erreger Bronchitis und Lungenentzündungen verursachen. Grund sind die kleineren Atemwege, die durch eine Schwellung der Schleimhaut weiter blockiert werden können. Besonders gefährdet sind Frühgeborene und Kinder mit Vorerkrankungen etwa an Lunge oder Herz.

Um festzustellen, ob tatsächlich eine RSV-Infektion vorliegt, muss der Arzt einen Abstrich machen. Zu den klassischen Symptomen zählen

  • Schnupfen
  • Husten
  • Niesen
  • Halsschmerzen
  • Fieber

Bei chronisch kranken Kinder und insbesondere bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten kann sich die Infektion innerhalb von ein bis drei Tagen auf die unteren Atemwege ausweiten und laut Robert-Koch-Institut (RKI) unter anderem zu

  • einer Infektion der kleinen Bronchien (Bronchiolitis)
  • einer Lungenentzündung (Pneumonie)
  • und einer Bronchitis mit gleichzeitiger Entzündung der Luftröhre (Tracheobronchitis)

führen.

Ungewöhnliche RSV-Symptome durch Pandemie

Eine neue Studie aus Dänemark hat nun weitere Symptome festgestellt. Seit der Pandemie seien auch bei Kindern ohne Risikofaktoren schwerere Verläufe aufgetreten. Die Forscher nennen folgende bis dahin für RSV ungewöhnliche Symptome:

  • schwere bakterielle Co-Infektionen (mit Pneumokokken, Hib und Panton-Valentine-Leukozidin)
  • Pneumothorax (Luftansammlung im Brustkorb), insbesondere bei älteren Säuglingen und Kindern ohne Risikofaktoren
  • pfeifendes Atmen
  • anhaltende Krampfanfälle
  • Enzepha­lopa­thien
  • und andere neurologische Komplikationen.

Eine konkrete Erklärung dafür gibt es bislang nicht. Schwerere Verläufe bei älteren Kindern könnten laut den Forschern allerdings auf eine fehlende Erstinfektion oder eine verminderte Immunität aufgrund fehlender RS-Expositionen zurückzuführen sein. „Dies deutet darauf hin, dass eine regelmäßige RS-Exposition bei älteren Kindern wichtig ist, um die Immunität auf einem Niveau zu halten, das vor Krankenhauseinweisungen schützt“, erläutern die Forscher.

Sie betonen: Ärzte sollten bei älteren Säuglingen und Kindern mit RSV aufmerksam bleiben, da eine andere Behandlung erforderlich sein könnte.

Zwei Mittel machen Hoffnung im Kampf gegen RSV

Auch bei der Entwicklung von Mitteln gegen RSV könnten die Ergebnisse eine Rolle spielen, sagen die Forscher. Allerdings: Die Sterblichkeit bei älteren Säuglingen und Kindern sei „signifikant niedriger“. Deshalb sind Mittel für die jüngsten Patienten, die einer RSV-Infektion erstmalig ausgesetzt sind, besonders wichtig.

Aktuell gibt es vor allem therapeutische Ansätze. Das heißt, Erkrankte werden erst nach einer Infektion behandelt und nicht im Vorfeld geschützt. Zwar gibt es einen prophylaktischen Ansatz – der monoklonale Antikörper Palivizumab -, der ist allerdings sehr teuer und steht nur Risikopatienten zur Verfügung.

Antikörper Nirsevimab von Sanofi und Astrazeneca

Neu sind nun zwei Mittel, die Hoffnung auf einen Fortschritt machen: Nirsevimab, entwickelt von Sanofi und Astrazeneca und der Impfstoff RSVpreF von Pfizer. Bei dem Mittel Nirsevimab handelt es sich ebenfalls um einen monoklonalen Antikörper. Er bindet an das F-Protein des Virus und soll so dessen Eindringen in die Körperzellen verhindern. Er wurde gerade von der EU-Kommission zugelassen.

Die Ergebnisse einer internationalen Studie sind beachtlich: Demnach senkte der Nirsevimab bei Säuglingen das Risiko für eine ärztliche Behandlung um rund 75 Prozent. Das Risiko für eine Aufnahme ins Krankenhaus sank um 62 Prozent. Das Mittel muss zudem, anders als Palivizumab, nicht monatlich verabreicht werden, es reicht einmal zu Beginn der RSV-Saison.

Allerdings sind noch Fragen offen. „Ob wir damit aber in einen Bereich kommen, wo man diskutieren kann, das Mittel allen Neugeborenen zu geben, lässt sich aufgrund der begrenzten Daten und Informationen noch nicht sagen“, erklärte etwa Johannes Liese, Leiter der Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Würzburg, der „ZEIT“. Weitere Studien seien notwendig. Sanofi gibt sich dagegen zuversichtlich. Das Unternehmen strebt eine Markteinführung für die RSV-Saison 2023/24 an.

Impfstoff RSVpreF von Pfizer

Der erste Impfstoff gegen RSV steht ebenfalls in den Startlöchern. Mit RSVpreF von Pfizer wird nicht das Neugeborene geimpft, sondern die Mutter während der Schwangerschaft. Die gebildeten Antikörper werden über die Nabelschnur an den Säugling weitergegeben.

Nach Angaben von Pfizer senkte der Impfstoff das Risiko für eine ärztliche Behandlung auf 81,8 Prozent (in den ersten 90 Tagen) beziehungsweise 69,4 Prozent (bis zu sechs Monate). Sicherheitsbedenken für Schwangere sowie Säuglinge gebe es nicht.

Allerdings stehen noch offizielle Daten sowie Publikationen in Fachmagazinen aus. Beides sei geplant. Der US-Pharmariese strebt eine Zulassung in den USA bis Ende des Jahres an, dann soll Europa folgen.

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