DAV drängt auf rasche E-Rezept-Einlösung per eGK

Nachdem die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe den Rollout-Prozess für das E-Rezept ausgesetzt haben, meldet sich jetzt auch der Deutsche Apothekerverband zu Wort. Vorstandsmitglied Anke Rüdinger macht klar: Die Möglichkeit, E-Rezepte mittels elektronischer Gesundheitskarte einzulösen, muss schnellstmöglich kommen. Für die Befürchtungen der Datenschützer hat der DAV kein Verständnis.

Die Gematik hält eisern fest an ihrem Ziel, das E-Rezept im kommenden Jahr flächendeckend einzuführen. Doch vor allem in der Ärzteschaft hat man weiterhin massive Probleme mit den elektronischen Verordnungen – auch wegen ihres Wegs zum Patienten und den Einlösemöglichkeiten. Die Gematik-App bekommen noch die wenigsten Versicherten zum Laufen, der alternative Papierausdruck des E-Rezept-Tokens ist für niemanden eine zufriedenstellende Lösung. Was einfach und praktikabel scheint, fällt bei den Datenschützern durch. 

So auch der Weg über die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Und eben dies führte nun dazu, dass die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL, KZVWL) am gestrigen Donnerstag bekannt gaben, den Rollout-Prozess zu stoppen. Weitere Praxen, als die bisher schon beteiligten, sollen erst einmal nicht mehr akquiriert werden. Ohne die Aussicht auf einen baldigen Einsatz der eGK sieht die KVWL keine Chance, dass das Zielkriterium von 25 Prozent elektronischen Verordnungen eingehalten werden kann – und erst dann soll der Rollout in weiteren Regionen starten.

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Der Apothekerverband Westfalen-Lippe äußerte schon gestern Bedauern angesichts dieser Entscheidung. Zugleich betonte man hier, dass es mit jenen, die bereits an Bord des Projekts sind, weitergehe.

DAV: Apotheken setzen Bemühungen mit aller Kraft fort

Am heutigen Freitag meldet sich auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) zu Wort. In einer Pressemitteilung heißt es: „Deutschlands Apotheken bekennen sich zur schnellstmöglichen Einführung des E-Rezepts in ganz Deutschland und setzen deshalb ihre Bemühungen in den beiden Testregionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe mit aller Kraft fort.“ Sie forderten alle Beteiligten im Gesundheitswesen auf, daran mitzuarbeiten, dass die eGK möglichst schnell als einfacher und patientenfreundlicher Weg zum Einlösen von E-Rezepten in Apotheken genutzt werden kann.

DAV-Vorstandsmitglied Anke Rüdinger betont: „Die Apotheken sind bundesweit bereit für das E-Rezept, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren mit großem technischen, organisatorischen und personellen Aufwand darauf vorbereitet haben.“ Als Gesellschafter der Gematik setze sich der DAV seit langem dafür ein, dass das E-Rezept auch verlässlich und patientenfreundlich im Versorgungsalltag ankomme. Die eGK, die alle gesetzlichen Versicherten schon haben, müsse deshalb dringend als zusätzlicher Weg etabliert werden. Natürlich sei Datenschutz dabei wichtig, räumt Rüdinger ein. „Aber wer hier Bedenken hat, sollte auch konstruktive Vorschläge machen, wie man diese ausräumen kann. Sonst kommt die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht voran!“

Gematik arbeitet längst an Lösungen

Tatsächlich hatten der Bundesdatenschutzbeauftragte (BfDI) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Lösungsvorschläge zur Behebung der von ihnen monierten Datenschutzlücken unterbreitet. Offenbar entsprechen diese jedoch nicht den Vorstellungen des DAV. Hier hat man ohnehin schon kein Verständnis für die Befürchtungen der Datenschützer, dass es bei der geplanten Nutzung der eGK zum Einlösen von E-Rezepten in Apotheken zu einem Datenmissbrauch kommen könnte. Der DAV verweist darauf, dass die Gematik und ihre Gesellschafter längst an Lösungen arbeiteten, damit Kriminelle gestohlene oder verlorene Gesundheitskarten nicht zum Einlösen von E-Rezepten der berechtigten Patienten missbrauchen können. Dass Apothekerinnen und Apotheker die einmal abgerufenen Daten einer Gesundheitskarte für spätere E-Rezepte speichern und damit die freie Apothekenwahl der Patienten verhindern, verbiete sich zudem durch das besondere Vertrauensverhältnis sowie strikte rechtliche Vorgaben, so der DAV.

Rüdinger: Politik muss Klarheit schaffen

„Wir brauchen die Gesundheitskarte, damit Millionen Menschen endlich die Vorteile des E-Rezeptes nutzen können. Die Politik ist gefordert, hier Klarheit zu schaffen“, so Rüdinger abschließend.

Ganz so schnell wird es aber vermutlich nicht gehen. In einer Mitteilung der Gematik hieß es am gestrigen Donnerstag, „ab Mitte 2023“ werde die Einführung der eGK „zusätzlich beschleunigt“. „Dann sollen auch mit der elektronischen Gesundheitskarte E-Rezepte in den Apotheken einfach und sicher eingelöst werden können.“ Datenschutzrechtliche Überraschungen sollte man künftig hoffentlich ausschließen können. Laut Gematik steht sie zur Entwicklung der notwendigen technischen Lösung im engen Austausch mit den Gesellschaftern, dem BfDI und dem BSI.

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