Coronavirus in Penis und Hoden: Macht Infektion impotent und unfruchtbar?

Die Liste der Symptome, unter denen Long-Covid-Patienten leiden ist lang. Neben Brain-Fog, Erschöpfung und Schmerzen gibt es nun auch Hinweise, dass Männer als Folge einer Infektion unter Potenz- und Fruchtbarkeitsproblemen leiden könnten. Wir erklären, was dahintersteckt.

Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Erschöpfung, Geruchs-, Geschmacksstörungen sowie Konzentrationsprobleme sind nur einige einer Vielzahl an Beschwerden, die nach einer Corona-Infektion auftreten können. Mittlerweile haben diverse Studien bereits über 200 Symptome bei Long-Covid-Patienten beobachtet. Immer wieder gibt es dabei auch Hinweise, dass Corona möglicherweise zu Potenz- und Fruchtbarkeitstörungen bei Männern als Langzeitfolge führen könnten. 

Münchner Urologe berichtet von über 50 Fällen in seiner Praxis

So berichtete der Münchner Urologe Axel-Jürg Potempa bei BR24, dass er bereits über 50 Patienten in seiner Praxis behandelt hätte, die sechs Monate nach einer Corona-Infektion eine signifikante Erektionsstörung entwickelten. Als im März letzten Jahres bekannt wurde, dass Corona die Blutgefäße angreift, befürchtete der Mediziner schon Schlimmstes. Denn gerade Gefäßentzündungen können zu Erektionsproblemen führen.   

Eindeutige wissenschaftliche Belege gibt es dafür zwar noch nicht. Dennoch deuten mittlerweile ein paar kleine Studien in diese Richtung. So haben beispielsweise Mediziner tatsächlich schon Viruspartikel in den männlichen Geschlechtsteilen nachgewiesen. So zum Beispiel in China.  

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Virus in den Hoden und in den Keimzellen nachgewiesen

In einer Studie, die im Dezember 2020 in „Nature“ veröffentlicht wurde, berichten Reproduktionsmediziner davon, Viruspartikel in den Hoden sowie in den Keimzellen, aus denen sich die Spermien bilden, gefunden zu haben. Darunter auch das Spike-Protein, mit dem sich das Virus Zugang zu den Zellen verschafft. Dafür entnahmen die Forscher Proben von fünf Covid-Verstorbenen im Alter zwischen 51 und 83 Jahren.

„Unsere Ergebnisse liefern Beweise dafür, dass Sars-CoV-2 die Hoden und die Keimzellen infizieren können, was auf möglichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Spermatogenese und die männliche Fruchtbarkeit hindeutet“, folgern die Wissenschaftler. Um den Mechanismus zu verstehen, dazu seien allerdings weitere Studien nötig, schränkten die Mediziner ein.

Auch Potempas Vermutungen gehen in diese Richtung: „Da sehr viele Patienten durch einen Testosteronmangel auffallen, gehe ich inzwischen von einer zusätzlichen Zellschädigung im Hoden – also dem Bildungsort des männlichen Testosterons – aus,“ sagt er bei BR24.

Virus auch im Gewebe des Penis nachgewiesen

Doch nicht nur in den Hoden und in den Keimzellen wurde das neue Corona-Virus bereits nachgewiesen, sondern auch im Penis. In einer kleinen Pilotstudie der Universität von Miami in Florida untersuchten Urologen zwei Patienten, die in Folge einer Covid-19-Erkrankung eine erektile Dysfunktion entwickelten.

Diese war so schwerwiegend, dass die Männer sogar eine Penisprothese erhalten sollten. Dabei wird ein künstlicher Schwellkörperersatz in den Penis implantiert, der eine Erektion und somit Geschlechtsverkehr wieder möglich macht.

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  • Bei der Gewebeentnahme stellten die Mediziner erstmals fest, dass sich Viruspartikel mit Spike-Protein in der Nähe der vaskulären Endothelzellen des Penis befanden. Endothelzellen kleiden das Innere von Blutgefäßen aus.

    In der Pilotstudie, die in PubMed im Juli 2021 veröffentlicht wurde, folgern die Mediziner daraus, dass eine weitverbreitete endotheliale Dysfunktion aufgrund einer Covid-19-Infektion zu Impotenz führen kann. Aber auch hier sind noch weitere Studien nötig, um die Mechanismen genau zu verstehen.

    Testosteronmangel bei Covid-19-Patienten

    Ein weiterer Hinweis, der eine Verbindung zwischen Corona und Impotenz belegen könnte, ist das Testosteron. Schon seit längerem wissen Mediziner, dass männliche Covid-19-Patienten über einen niedrigeren Spiegel verfügen. Da Testosteron das wichtigste Sexualhormon des Mannes ist, wirkt sich dies negativ auf Potenz und Libido aus. Ob der Spiegel nach der Erkrankung wieder steigt, ist allerdings noch nicht klar.

    Verschiedene Studien haben lediglich gezeigt, dass eine Korrelation zwischen der Schwere des Verlaufs und dem Level dieses Hormons im Blut besteht. Sprich: Je niedriger der Testosteron-Wert bei Männern war, desto schwerer war auch der Verlauf.

    Dass also Corona zu Potenzproblemen führen kann, ist zwar plausibel, aber bei weitem noch nicht belegt.  Das sagt auch der Infektiologe Christoph Spinner vom Klinikum Rechts der Isar: „Ob Erektionsstörungen in Zusammenhang mit Covid-19 wirklich robust belegbar sind, ich glaube, dafür ist es heute noch zu früh,“ sagt er gegenüber BR24.

    Impfung verursacht keine Potzenzprobleme

    Für die Befürchtung, die häufig durch die sozialen Medien geistert, dass die Corona-Impfung Erektionsstörungen verursacht, gibt es bis dato keinerlei Hinweise. Für den Münchner Urologen, Severin Rodler, vom Klinikum der Universität München, ist der Fall diesbezüglich völlig klar: „Dazu gibt es wahrscheinlich die beste Evidenz, nämlich, dass es nicht so ist“, zitiert BR24 den Mediziner. Denn weder in den Zulassungsstudien der Hersteller noch im Sicherheitsbericht des Paul Ehrlich Instituts (PEI), seien derartige Nebenwirkungen aufgelistet bzw. gemeldet und beobachtet worden. 

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