Coronaviren wegsprühen: Was das neue Nasenspray wirklich taugt

Es ist jetzt auf dem deutschen Markt: ein Nasenspray, das Coronaviren einfängt. In Studien reduzierte es die Virenlast in der Nase erheblich. Sogar das Ansteckungsrisiko wurde gesenkt. Das taugt das Anti-Corona-Nasenspray.

In Israel ist es bereits seit Juli 2021 erhältlich. Nun ist das Anti-Corona-Nasenspray in Deutschland angekommen. Laut Herstellerangaben verringert das Präparat von ViroMed Medical „nicht nur mehrere Stunden lang die Gefahr einer Ansteckung durch das Covid-19-Virus. Es reduziert auch die Viruslast in der Nase bei bereits vorhandenen Infektionen.“ Das Medizinprodukt „virX® enovid“ gibt es nun hierzulande in Apotheken, Drogerien und im Fachhandel.

Es ist nicht das erste Präparat, das direkt an der Nase ansetzt. Denn Coronaviren gelangen in der Regel über die Schleimhäute in den Körper und können sich von hier aus verbreiten. Es gilt also, diese Eintrittstore zu schließen. Aus diesem Grund forschen Wissenschaftler schon seit Pandemiebeginn an Nasensprays, die dem Erreger den Eintritt erschweren oder diesen sogar verhindern.

So funktioniert das Anti-Corona-Nasenspray

Das Nasenspray basiert auf drei Wirkmechanismen: Zitronensäure tötet die Viren in der Nase direkt ab, ein Gel-Bildner umschließt sie und der Stickstoff-Monoxid-Bildner hindert sie am Zelleintritt.

„Die Wirkweise ist nachvollziehbar“, urteilt der Mikrobiologe und Epidemiologe Timo Ulrichs auf Nachfrage von FOCUS online. „Aktive Substanzen im Nasenspray setzen Stickstoffmonoxid (NO) frei, das die Bindungsstellen am Spikeprotein des Virus‘ nitrosyliert (Anm. d. Red.: Stickoxid-Einheit wird eingebaut) und damit unwirksam macht.“ Außerdem enthalte das Spray eine zähe Flüssigkeit, die eine mechanische Barriere auf der Nasenschleimhaut darstelle.

Dennoch lautet das Fazit des Experten: „Das ist ein netter Versuch, aber noch lange kein ‚Gamechanger‘ oder ein Ersatz für das Tragen von Masken.“

Laut den Presseinformationen des Herstellers schützen zwei Sprühstöße pro Nasenloch nachweislich etwa zwei Stunden lang vor einer Corona-Ansteckung und halbieren bei regelmäßiger Anwendung bei erkrankten Menschen die Dauer bis zu einem negativen Testergebnis von acht auf vier Tage.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Innerhalb von 24 Stunden nimmt die messbare Viruslast bei Infizierten um mehr als 94 Prozent ab.
  • Innerhalb von 48 Stunden nimmt die messbare Viruslast bei Infizierten um mehr als 99 Prozent ab.
  • Regelmäßig angewendet kann das Nasenspray die Dauer bis zu einem negativen Testergebnis halbieren.
  • Das Nasenspray senkt das Infektionsrisiko mit Corona um 75 Prozent.

Die Phase-III-Studie wurde im Fachblatt „The Lancet Regional Health Southeast Asia“ veröffentlicht. Finanziert hat die Untersuchung das internationale Pharmaunternehmen Glenmark Pharmaceuticals Limited. Die Präparate stellte die Firma SaNOtize.

Ähnliche Ergebnisse erzielte eine klinische Phase-II-Studie in England. Die Finanzierung hier lieferte der Ashford and St Peter's Hospitals NHS Foundation Trust von der SaNOtize Research & Development Corporation.

Laut den Herstellerinformationen wirkt das Nasenspray neben allen bekannten Covid-19-Varianten außerdem gegen Influenza-A (H1N1), das Rhinovirus (HRV14) und RSV (Respiratory Syncytial Virus), einem Virus, das Atemwegserkrankungen insbesondere bei Kleinkindern auslöst.

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  • Rotalgenspray könnte Eintritt in Schleimhäute verhindern

    Schon im Mai 2021 machte ein Nasenspray Schlagzeilen, dessen Wirkstoff aus Rotalgen stammte. „Algovir“ hatte in einer Studie aus Argentinien bei rund 200 Teilnehmern Corona-Infektionen um bis zu 80 Prozent reduziert. Das Spray legt einen natürlichen Schutzfilm auf die Schleimhäute des Naseninnenraums, der ein Eindringen der Viren verhindert.

    Das Spray gilt nicht offiziell als wirksamer Corona-Schutz und der Hersteller bewirbt es auch nicht damit. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt medizinischem Personal allerdings zur Prävention bereits seit Dezember 2021 den Einsatz von Nasensprays mit dem Rotalgen-Wirkstoff und tut dies nach wie vor: Morgens und abends, wenn möglich auch dreimal täglich und „zusätzlich nach gemeinschaftlicher Esseneinnahme oder gemeinschaftlichen Aktivitäten (z.B. in Einrichtungen der Altenpflege oder Rehabilitation, nach privaten Gruppentreffen, religiösen Anlässen sowie Heimkehr aus Schule und Kindergarten)“.

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    Nasenspray ersetzt keine Impfung

    Die Ergebnisse in den Studien sind zwar vielversprechend, aber beziehen sich nur auf die Virenlast in der Nase. Wie sich das auf die Schwere der Infektion auswirken kann, ist nicht untersucht. Zudem bleiben dem Coronavirus nach wie vor andere Eintrittswege in den Körper – vor allem der Mund- und Rachenraum. Daher sollte sich niemand allein auf das Nasenspray verlassen, um Covid-19 abzuwehren oder abzumildern.

    Ulrichs betont ebenfalls, dass noch viele Fragen offen sind, etwa: Wie hoch ist der Anteil der Viren, der über die Nase eintritt im Verhältnis zu anderen Eintrittspforten (Rachen etc.)? Wie lange hält ein Hub Spray vor? Wie sicher ist die Abwehr, wenn die Viren bereits beim ersten Hub präsent waren? Gibt es Daten, die die Viruskonzentration/Aerosolkonzentration in der Umgebungsluft berücksichtigen?

    „Das ist alles sehr unsicher und infolgedessen sollte die Anwendung des Sprays keine andere Schutzmaßnahme ersetzen“, bilanziert der Mikrobiologe.

    Auch die Impfung verhindert eine Ansteckung nicht, schützt jedoch recht gut vor schweren Verläufen. Das gilt für die neuen Varianten, die sich derzeit ausbreiten ebenso. „Bisher haben Impfungen auch bei neuen Varianten sehr zuverlässig vor schweren Verläufen geschützt. Das wird bei BQ.1.1 etc. nicht anders sein“, urteilt Virologe Friedemann Weber auf Nachfrage von FOCUS online. Denn der Impfschutz vor tieferem Eindringen in den Körper werde durch die T-Zellimmunität vermittelt, gegen die es wenig, bis gar keine Sars-CoV-2-Fluchtmutationen gibt.

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