Bringen Balkan-Rückkehrer die nächste Corona-Welle nach Deutschland?

Im Sommer halfen Reiserückkehrer vor allem aus der Balkanregion, die Corona-Infektionszahlen in die Höhe zu treiben. Nun, nach Weihnachten und Neujahr, befürchten Politiker wie Gesundheitsminister Spahn eine Wiederholung der Ereignisse.

Weihnachten ist das Fest der Familie. Es ohne sie zu feiern, kommt für viele Menschen nicht in Frage – trotz Pandemie. In hirtenartiger Manier nehmen sie teils lange Reisen auf sich, um ihre Familie zu besuchen und in die Länder zurückzukehren, in denen sie ihre Wurzeln und Verwandten haben.

Auch deswegen brachen die Reiseströme über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr nicht ab – das galt auch für die Balkanregion. So passierten im Transitland Serbien in den Tagen vor Weihnachten rund 225.000 Menschen die Grenze, 120.000 davon reisten laut „Welt“ weiter in den Kosovo oder nach Nordmazedonien.

Inzidenz doppelt so hoch wie in Deutschland

Die Zahlen des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), die sich auf Flugdaten stützten, zeichnen ein ähnliches Bild. Obwohl im Vergleich zum ersten Januarwochenende 2020 rund 43 Prozent weniger Rückreisen aus der Balkanregion registriert wurden, können diese wenigen Flüge das Infektionsgeschehen weiterhin verschärfen.

Denn auf dem Balkan grassiert die Pandemie in noch stärkerem Ausmaße als hierzulande. Der Inzidenzwert? Mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Rund 730 Menschen pro 100.000 Einwohner infizierten sich zum Beispiel in Serbien im Sieben-Tage-Schnitt mit Corona. Vor dem Hintergrund, dass 238.000 Menschen mit serbischer Staatsbürgerschaft in Deutschland leben, ist die Inzidenz von besonderer Brisanz.

Spahn fürchtet „neue Welle“

Die Gefahr, dass die Reiserückkehrer nicht nur Geschenke und ein paar Kilo mehr auf den Rippen zurück mit nach Deutschland bringen, ist deshalb groß. Vor dem Weihnachtsfest hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits vor dem hohen Infektionsrisiko durch die Urlaubsrückkehrer gewarnt.

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„Nach allem, was ich sehe, finden wieder sehr viele Heimat- und auch Verwandtschaftsbesuche statt in Osteuropa, Balkan, Türkei“, sagte er den Fernsehsendern RTL und n-tv.

Es sei große Vorsicht geboten, dass durch die Rückkehrenden nicht „gleich eine neue Welle, ein neuer Impuls entsteht“, sagte der Gesundheitsminister – und blickte dabei mit Sorge auf die Ereignisse im Sommer, die das Infektionsgeschehen nach der ersten Welle neu entfachten und sich nun zu wiederholen drohen.

Warnender Lagebericht

Damals, als der erste Lockdown gerade durchgestanden war, strömten die Menschen, ihre wiedergewonnene Freiheit genießend, in Scharen ans Meer und in die Berge. Machten Urlaub, um sich gewissermaßen für das Durchhalten zu belohnen.

Doch schnell kippte die Ausgelassenheit in Übermut und es bewahrheitete sich das, wovor die Virologen schon gewarnt hatten: Die Infektionszahlen stiegen wieder – und zwar nicht erst wie befürchtetim Herbst, sondern bereits im Hochsommer. dpa/Christoph Schmidt/dpa Eine Reisende wird im Corona-Testzentrum am Flughafen getestet.

Einen Anteil daran hatten die Reiserückkehrer, abermals aus der Balkanregion. Sowohl Touristen als auch Personen, die ihren Herkunftsländern einen Besuch abgestattet hatten, schleppten Infektionen in rauen Mengen ein.

Das verdeutlichte ein Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 18. August 2020. Darin wurden die Zahlen der Länder veröffentlicht, in denen sich deutsche Urlauber innerhalb der letzten vier Wochen am häufigsten mit Corona infiziert hatten.

Am häufigsten (59 Prozent) steckten sich die Deutschen dabei im Inland an. 3362 Corona-Fälle, und somit 21 Prozent aller Neuinfektionen, waren jedoch Reiserückkehrer aus Balkanstaaten zurückzuführen. Unter den Top 10 der Infektionsländer waren mit dem Kosovo, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Serbien dabei vier Balkanländer vertreten.

Zehntägige Quarantäne-Pflicht für Urlauber aus Balkanregion

Doch nun ist die Lage um einiges angespannter. Mit Blick auf die Infektions- und Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona sind die Negativrekorde aus dem vergangenen Frühjahr längst gebrochen. Gleichzeitig ist die Pandemie-Situation aktuell undurchsichtiger als sonst.

Wie viele Neuinfizierte es seit den Feiertagen wirklich gibt und wie diese das Infektionsgeschehen beeinflussen, ist derzeit noch nicht eindeutig festzustellen. Um eine weitere, potenzielle Zuspitzung der Corona-Lage zu vermeiden, wurden die Einreisebestimmungen nach Deutschland nun verschärft. Zehn Tage Quarantäne sind für Heimkehrer aus den Balkanstaaten mittlerweile Pflicht.

Zwei-Test-Strategie für Reiserückkehrer

Ab dem 11. Januar soll außerdem für alle Reiserückkehrer die Zwei-Test-Strategie eingeführt werden. Das beschlossen Bund und Länder am 5. Januar. Demnach müssen sich Urlauber aus Risikogebieten direkt nach der Ankunft in Deutschland auf Corona testen lassen. Auch ein Corona-Test im Zielland ist möglich, wenn dieser maximal 48 Stunden vor der Rückkehr vorgenommen wurde.

Unabhängig vom Ergebnis müssen die Rückkehrer dann die Quarantäne antreten, welche mit einem negativen Test fünf Tage nach der Rückkehr verkürzt werden kann.

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