Arnold: Ökonomisierung im Gesundheitswesen ist gescheitert

Die derzeitigen Arzneimittel-Lieferengpässe sind für Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt und ABDA-Vize, klar eine Folge der gescheiterten Ökonomisierung im Gesundheitswesen. Dass die Politik nun gegensteuern und auch den Aufwand der Apotheken honorieren will, hält er für grundsätzlich richtig. Der derzeit angedachte Zuschlag von 50 Cent bei versorgungskritischen Arzneimitteln ist für ihn aber jenseits betriebswirtschaftlicher Realität. 

„Die Ökonomisierung im Gesundheitswesen ist gescheitert. Im Ergebnis sehen wir nun massive Lieferengpässe. Momentan verwenden wir viel zu viel Zeit für das Managen der Lieferprobleme. Das bindet Personal und Geld. Beides fehlt uns.“ Das erklärt Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt (LAV) in einer Pressemitteilung seines Verbandes sowie der Landesapothekerkammer Sachsen-Anhalt. Die Rabattverträge der Krankenkassen hätten die Jagd nach immer billigeren Arzneimitteln eröffnet, erläutert er. Das habe zu monopolartigen Strukturen in der globalisierten Welt geführt. „Das Versagen der Lieferketten und zu wenige Hersteller und Anbieter von Arzneimitteln sind eine Ursache für diese katastrophale Versorgungssituation“, ist Arnold, der zugleich ABDA-Vize ist, überzeugt. 

BMG-Pläne: Feinjustierung notwendig

Dass die Politik mittlerweile das Problem erkannt und Stellschrauben zur Gegensteuerung gesetzt hat, nimmt Arnold positiv zur Kenntnis. Doch nun müsse die Feinjustierung folgen. „Der Grundgedanke ist richtig, dass der Arbeitsaufwand in den Apotheken entlohnt wird“, konstatiert er. Schließlich übernähmen die Apotheken Aufgaben in der Patientenversorgung, die bisher nicht in der Grundvergütung enthalten sind. „Die avisierte Honorierung für das Lieferengpassmanagement bildet jedoch die betriebswirtschaftliche Realität in keiner Weise ab.“ 

Denn in den kurz vor Weihnachten von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorgelegten Eckpunkten zur Vermeidung von Engpässen und zur Stärkung des Produktionsstandorts EU ist bislang nur ein sehr schmaler Zuschlag für das Engpassmanagement vorgesehen. Lediglich für Arzneimittel, für die der BfArM-Beirat eine versorgungskritische Lage festgestellt hat und für die die Apotheke eine Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt halten muss, soll es eine Aufwandspauschale geben. Und das auch nur in Höhe von 0,50 Euro. ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening hatte diese Pläne für ein „Almosen“ bereits scharf kritisiert: Auf diese Weise werde die Bürokratie noch erhöht und der teils stundenlange Arbeitsaufwand nicht einmal ansatzweise bezuschusst. 

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Arnold erinnert daran, dass die Vergütung der Apotheken seit 2013 nicht angepasst wurde. Und jetzt haben sie nicht nur die Mehrarbeit durch die Engpässe – auch die Kosten schössen „durch die Decke“. Und ein Inflationsausgleich ist bei ihnen Fehlanzeige.

Kammerpräsident Münch: Neue Aufgaben, fehlendes Personal

Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, ergänzt: „Heute verwenden wir fast mehr Zeit in Rücksprachen zu Rezepten als in die eigentliche Versorgung der Patienten. Das bindet Kapazitäten. Auf uns sind eine Reihe neuer Aufgaben zugekommen, die wir nicht lösen können, weil uns das Personal dafür fehlt. Zusätzlich fallen Mitarbeiter durch einen hohen Krankenstand aus.“

Und dann ist da noch die überbordende Bürokratie. Es seien dringend Reparaturen im System nötig, damit die Apotheken wieder Zeit für ihre heilberufliche Tätigkeit hätten, betont Münch. „Wir müssen es schaffen, die Menge an Rück- und Absprachen mit den ärztlichen Praxen zu verringern, die Lieferengpässe zu reduzieren und die unsäglichen Vorgaben der Präqualifizierung abzuschaffen“, fordert der Kammerpräsident. Nur so verspricht er sich auch pharmazeutischen Nachwuchs.

Arnold spricht in der Pressemitteilung überdies das Retax-Problem der Apotheken an. Regresse müssten endlich „auf ein normales und vor allem vernünftiges Maß reduziert“ werden. Zurzeit würden Apotheken auch für kleinste Formfehler bestraft. Arnold: „Es kann doch nicht sein, dass wir trotz richtiger Versorgung der Patienten wegen kleiner übersehener Formalien ‚auf Null retaxiert‘ werden, das heißt neben dem Honorarverlust auch noch das Arzneimittel für den Patienten komplett aus unserer eigenen Tasche bezahlen müssen.“


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