"Als würde man mit Dynamit spielen": Vier Gründe, die gegen eine mutwillige Omikron-Infektion sprechen

Omikron sorgt inzwischen täglich für neue Rekorde. Nie zuvor waren in Deutschland so viele Menschen mit Corona gleichzeitig infiziert wie jetzt, in der fünften Welle. Und der Peak ist noch nicht erreicht. Gerade erst sorgte Hans Kluge, Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit der Prognose für Furore, dass sich in sechs bis acht Wochen laut Modellrechnungen halb Europa mit Omikron infiziert haben könnte.

Sorgen macht das aber nicht allen. Im Gegenteil. Schließlich gilt Omikron als vergleichsweise "milde" Variante. Eine Infektion könnte, glauben manche, daher sogar eher nützlich als schädlich sein. Ärzte aus den USA berichten von dem Trend, dass sich Menschen absichtlich mit dem Virus zu infizieren, im Glauben, damit die Immunität zu stärken. "Es hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet", so Robert Murphy von der Northwestern University Feinberg School of Medicine, zu "CNN". Dabei sei jeder verrückt, der versuche, sich absichtlich zu infizieren. "Es ist", sagt er, "als würde man mit Dynamit spielen". Vier Gründe, die gegen eine absichtliche Infekton sprechen.

Corona-Spätfolgen


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1. Auch eine Omikron-Ansteckung ist keine Erkältung

Die Omikron-Variante ist sehr ansteckend, aber für den Einzelnen nach derzeitigen Erkenntnissen wahrscheinlich weniger gefährlich als die Delta-Variante. Vor allem Menschen, die geboostert sind, haben eine gute Chance, dass eine Infektion einen milden oder moderaten Verlauf nimmt. Allerdings kann die Bezeichnung "mild" durchaus irreführend sein. Denn auch bei einer leichten beziehungsweise moderaten Erkrankung entwickeln Patienten Symptome. Auch schwere Verläufe, Long Covid und Todesfälle sind möglich.

Im Rahmen der "ZOE Covid"-Studie wurden unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Schmerzen im unteren Rückenbereich und Appetitlosigkeit als Symptome von Omikron dokumentiert.Eines der charakteristischsten Symptome von Omikron nennen Experten außerdem einen trockenen, rauen Hals. Tim Spector, Leiter der ZOE-Studie erzählte bereits im Dezember davon, dass etwa 57 Prozent der an Omikron erkrankten Personen über Halsschmerzen berichteten.

Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding twittert seit Wochen gegen die Bezeichnung "mild" in Bezug auf Omikron an. So schrieb er unter anderem: "Bitte hört auf mit dem 'sie ist mild'-Unsinn auf, Leute! Viele reden ständig von 'mild', ohne etwas von exponentiellem Wachstum und #LongCovid zu verstehen – sie haben keine Ahnung, wovon sie reden!"

2. Die Infektion kann Long Covid verursachen

Das Coronavirus hat viele unangenehme Eigenschaften. Eine davon ist Long Covid. Selbst Menschen mit asymptomatischen Krankheitsverläufen, können von den Spätverfolgen betroffen sein. Und auch Geimpfte (Mehr dazu hier). Die Bandbreite ist groß. Betroffene klagen unter anderem über Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung und eine verminderte Leistungsfähigkeit (Fatigue). 

Und Long Covid ist weitverbreitet und hartnäckig. So fanden Wissenschaftler der Universitätsklinik Mainz in einer Studie heraus, dass 40 Prozent der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, auch sechs Monate danach noch unter Symptomen leiden. Viele der Beschwerden würden zwar abklingen, sagte Studienleiter Philipp Wild im Dezember bei der Vorstellung der Ergebnisse, "aber es verbleibt eine Gruppe, die dauerhaft Beschwerden hat".

3. Die Möglichkeit andere anzustecken 

Welche Gefahr für das eigene Lebens eingeht, ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass man das Virus weitertragen und so weitere Menschen, allen voran besonders gefährdete, anstecken kann. Zudem zeigen Daten aus anderen Ländern, dass nun zunehmend auch Kinder betroffen sind.

In Frankreich sind bereits 10.000 Klassen geschlossen, weil zu viele Lehrer und Kinder infiziert sind. Schon am 2. Januar berichtete "The Guardian" von durchschnittlich 672 Kindern, die in den USA täglich wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden, Tendenz steigend. Auch in Großbritannien stieg die Zahl sprunghaft an. "Die Daten aus UK zeigen bei Kindern erschreckende Werte", twitterte Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er nannte die Maskenpflicht an Schulen sowie regelmäßiges Testen als absolut notwendig.

4. Das Gesundheitssystem wird zusätzlich belastet

Experten warnen seit Monaten vor zu hohen Infektionszahlen. Sie fürchten, dass die Masse zu einer Überlastung der Krankenhäuser führen wird. Jeder, der sich absichtlich mit Sars-CoV-2 infiziere, erklärte Murphy "CNN", "hält die Pandemie in Gang und belastet das Gesundheitssystem".

Allein am Donnerstag meldete dass Robert Koch-Institut mehr als 81.400 Neuinfektionen binnen eines Tages – ein neuer Höchststand. Die bundesweite Hospitalisierungsrate liegt derzeit bei 3,09 (Stand: 13.1). Laut Divi-Intensivregister werden aktuell 3050 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 1836 werden künstlich beatmet.

Quelle: CNN, RKI, Divi, The Guardian

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