Bestseller-Autorin im Interview: Abnehmen mit Brot und Kuchen? Ja, auf jeden Fall

Von der No-Name-Autorin zur Bestsellerin über Nacht: Güldane Altekrüger hat mit ihren Büchern "Abnehmen mit Brot und Kuchen" geschafft, wovon viele träumen.

Ohne Verlag, mit einem Mini-Budget und ohne ernährungswissenschaftlichen Vorkenntnissen entwickelte sie Rezepte, fotografierte selbst, schrieb die Texte, kümmerte sich alleine um das Layout, verpackte und versendete ihre Bücher – und das mit riesigem Erfolg.

Im Interview mit FIT FOR FUN erzählt die Selfmade-Frau, was das Besondere an ihren Backbüchern ist, warum jeder wirklich mit Brot und Kuchen abnehmen kann und wie es sich anfühlt aus eigner Kraft innerhalb eines Jahres über 200.000 Bücher verkauft zu haben.

FIT FOR FUN: Frau Altekrüger, aktuell sind es 270.000 verkaufte Exemplare – können Sie ihren Erfolg bereits realisieren?

Altekrüger: Es fühlt sich jetzt im Nachhinein wirklich noch einmal wahnsinnig an, da wir beide – mein Mann und ich – es noch nicht richtig glauben können, was wir in den letzten 16 Monaten alles geschafft haben.

Wir haben monatelang kaum geschlafen, haben nur Bücher verpackt und versendet. Wir waren echt getrieben und sind sehr stolz, was wir mit unserem kleinen Startkapital von 5000 Euro letztendlich Großes geschafft haben.

Mittlerweile haben wir unseren eigenen Verlag, sind unserer eigener Herr und können ganz bewusst alleine entscheiden, wie wir vorgehen. Es fühlt sich einfach unglaublich gut an.

FIT FOR FUN: Wie kam es zum ersten Backbuch „Abnehmen mit Brot und Kuchen“ – gab es einen Knackpunkt?

Altekrüger: Durch die beiden Schwangerschaften habe ich in den letzten Jahren insgesamt 25 Kilogramm zugenommen. Es musste etwas geschehen.

Doch der eigentliche Knackpunkt war, dass ich ständig bei all den vielen Diäten – von Low Carb bis letztendlich Weight Watchers –, stets am großen Verzicht von Brot und Kuchen gescheitert bin. Es war zum Verzweifeln.

Ich habe mich 40 Jahre lang an mein Essen gewöhnt und musste eigentlich dafür nur gesündere Alternativen finden – so war mein Denken. Bei Weight Watchers habe ich dann mitbekommen, dass all die Gerichte sehr ballaststoff- und proteinreich sind.

Ich habe mich zusätzlich schlau gelesen, wie ich diese Philosophie bei Brot und Kuchen umsetzen könnte – da bin ich auf Haferkleie gestoßen, die Schale des Haferkorns.

FIT FOR FUN: Ist Haferkleie die Geheimzutat?

Altekrüger: Haferkleie nutze ich wirklich als Mehlersatz. Es ist mein persönliches Superfood. Mein Hauptaugenmerk lag bei der Rezeptentwicklung auf Ballaststoffen und Proteinen. Die Brote und Kuchen halten somit viel länger satt.

Und das Beste: Proteinreiche Lebensmittel sind beim Abnehmen besonders behilflich, da der Körper bereits bei ihrer Verdauung Energie verbraucht.

Haferkleie besitzt unheimlich viele Ballaststoffe – viel mehr noch als Haferflocken. Zudem enthält es hohe Mengen an Beta-Glucan, das die Gallensäure im Darm bindet und gleichzeitig Cholesterin aus dem Körper schwämmt. Daraufhin verbessern sich die Cholesterinwerte.

Auch Diabetiker profitieren vom Beta-Glucan, da es eine blutzuckersenkende Wirkung besitzt. Ein weiterer Vorteil: Haferkleie ist proteinreicher als Weizenmehl.

FIT FOR FUN: Weizen ist für Sie absolut tabu?

Altekrüger: Nein, komplett auf Weizenmehl zu verzichten, geht dann doch nicht. Da bei manchen Rezepturen ansonsten der Geschmack fehlt – und ohne tollen Geschmack isst du das Brot eventuell ein- oder zweimal. Aber dann war’s das. Und ich wollte Rezepte kreieren, die mir dauerhaft schmecken und gleichzeitig gesund sind.

Ich verwende jedoch häufiger Weizenkleie statt Weizenmehl. Das ist zum Glück noch tausendmal gesünder.

Alternativ wäre noch Dinkelkleie möglich. Ich habe mich allerdings dagegen entschieden, da Dinkelkleie kaum in Super- oder Drogeriemärkten zu finden ist.

Und mein großes Anliegen ist ja, dass alle Rezepte sehr einfach ohne viel Aufwand nachzubacken sind.

FIT FOR FUN: Sie setzen gleichzeitig ebenfalls auf Flohsamenschalen. Was ist daran das Besondere?

Altekrüger: Flohsamenschalen liefern ebenfalls Ballaststoffe, aber die Hauptaufgabe ist eigentlich die Bindung des Teiges. Da ich für meine Rezepte so wenig Mehl wie möglich verwende, wären die Teige ohne Flohsamenschalen einfach zu flüssig.

Erst durch sie quellen die Teige wunderbar auf. Dank der Flohsamenschalen halten dich die Brote und Brötchen richtig, richtig lange satt und tun deiner Darmflora auch noch etwas Gutes.

Für Kuchen sind sie allerdings weniger geeignet, da sie einen intensiveren Eigengeschmack haben.

FIT FOR FUN: In Ihren Büchern geben Sie keine Angabe zur Art der Süße – gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Altekrüger: Eine einzige Richtlinie gebe ich schon vor: es sollte kein raffinierter Zucker sein. Ansonsten überlasse ich es meinen Leser*innen, auf welchen Zuckeraustauschstoff sie zurückgreifen möchten – ob Erythrit, Stevia, Xylit oder Streusüße.

In meinem zweiten Buch erkläre ich eingangs, was sich hinten den einzelnen Austauschstoffen verbirgt und wie viel Gramm 100 Gramm Zucker ersetzen.

Zum Beispiel kannst du Zucker eins zu eins mit Xylit ersetzen. Stevia ist hingegen 300-mal so süß wie Zucker. Daher entsprechen 100 Gramm Zucker gerade mal 0,3 g Stevia-Pulver oder 65 g Stevia-Granulat.

Manches ist hier und da umstritten, es gibt viele Geschmacksrichtungen, Vorlieben und preisliche Kategorien – beispielsweise kostet ein Kilogramm Erythrit locker mal 18 Euro. Andere verzichten zudem gerne komplett auf Zuckerersatzstoffe.

Daher wollte ich nicht von oben herab meinen Leser*innen sagen: „Nimm das, das ist super.“ Denn ich selber kann nicht hundert Prozent sagen, das ist gesund und das ist nicht gesund.

Was ich definitiv weiß, ist, dass eine Zuckeralternative auf jeden Fall gesünder ist.

FIT FOR FUN: Auf welche Zuckeralternativen oder natürliche Süßungsarten setzen Sie persönlich am liebsten?

Altekrüger: Meine Lieblingssüßen sind Xylit und Erythrit, wobei ich Xylit noch etwas lieber mag. Sie haben beide ihre Vorteile. Erythrit ist absolut kalorienarm. Xylit beugt Karies vor.

FIT FOR FUN: Konnten Sie mit der Strategie „Weizen reduzieren, auf Zucker verzichten“ an Gewicht verlieren?

Altekrüger: Oh, ja. Ich verlor in einem Jahr 18 Kilogramm und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich auf nichts verzichten musste. Ich fand kochen noch nie schwierig und habe tatsächlich schon eh und je gesund gekocht.

Aber das Backen war wirklich eine Herausforderung – gesunde, kalorienarme Brote und Kuchen zu entwickeln, war gar nicht mal so leicht.

FIT FOR FUN: 18 Kilogramm sind beachtlich. Konnten Sie das Gewicht halten?

Altekrüger: Ich muss gestehen, dass ich allein im letzten Jahr wieder fünf Kilogramm zugenommen habe. Weil zum Abnehmen nicht nur das Kalorienzählen gehört, sondern auch Zeit.

Sich mit der Ernährung auseinanderzusetzen, sich auf das Essen zu freuen, fokussiert einzukaufen, regelmäßig selbst frisch zu kochen und sich rundherum Rituale schaffen – das alles habe ich im letzten Jahr kaum geschafft. Mir fehlte absolut die Zeit.

Ich habe manchmal erst um 22 Uhr gemerkt, dass ich noch nichts am Tag gegessen habe. Echt verrückt. Und habe dann natürlich spät am Abend noch super viel gegessen.

Oder ich war aufgrund von Interviews ziemlich oft unterwegs oder wurde zum Essen eingeladen – ich aß so unregelmäßig oder tue es immer noch, sodass ich meine Routinen nicht mehr umsetzen konnte. On top kam noch der wenige Schlaf. Heute beispielsweise konnte ich wieder nur fünf Stunden maximal schlafen – und das merkt der Körper.

Wie gesagt, es ist nicht nur die gesunde Ernährung, die das Abnehmen begünstigt, sondern auch die innere Gelassenheit, der Alltag und die Routine spielen einn große Rolle.

FIT FOR FUN: Hat sich bei Ihnen im Hinblick auf mentale Stärke oder Darmgesundheit ebenfalls etwas verändern?

Altekrüger: Ja, aufgrund der Ernährungsumstellung – ballaststoffreich, proteinreich, keinen Zucker und kaum Weizenmehl –, habe ich kein unangenehmes Völlegefühl mehr wie früher. Ich wusste zum Beispiel vorher gar nicht, dass ich eine Weizenunverträglichkeit habe.

Die Kuchen und Brote, die ich jetzt backe, vertrage ich so unfassbar gut. Kein Grummeln mehr. Das bestätigten mir auch Tausende meiner Leser*innen.

Letztens meinte eine Leserin zu mir, dass sie eine Sorbitunverträglichkeit hat, und dass meine Kraftbrötchen die einzigen Brötchen sind, die sie verträgt.

Die Kraftbrötchen zählen ebenfalls zu meinen Lieblingsrezepten, die seit neustem auch als Backmischung erhältlich sind.

Oder eine Frau, die an Multiple Sklerose (MS) leidet, berichtete, dass sie mithilfe meiner Rezepte endlich ihre kohlenhydratarme Diät durchhalten kann und ihre Blutwerte so gut geworden sind, dass sie keine Tabletten mehr nehmen muss – dass erfüllt mich zutiefst mit Stolz.

Von vielen Diabetikern höre ich, dass sie wohl so dankbar sind, endlich wieder Brot und Kuchen essen zu können. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, denn es ging mir ja im Vorfeld nur um das Abnehmen.

Für all das liebe ich den Austausch mit meinen Followern auf Instagram.

FIT FOR FUN: Apropos, Sie sind auf Instagram ebenfalls sehr erfolgreich unterwegs – 59,4 k Follower um genau zu sein. (Stand: 14.02.2020)

Altekrüger: Ich hatte vor zwei Jahren noch gar keine Ahnung von Social Media. Anfangs postete ich meine ersten gelungenen Rezepte bei Weight Watchers – so glücklich wie ich war. Die Gebäcke sind dort schnell auf Anklang gestoßen.

Bis einige Mitstreiter*innen zu mir sagten: „Ich bin nicht mehr bei Weight Watchers, aber könntest du nicht vielleicht deine Rezepte bei Instagram weiterhin posten?“

Also, habe ich mich bei Instagram angemeldet und dort meine Brot- und Kuchenrezepte veröffentlicht.

Es lief großartig an. Innerhalb eines halben Jahres hatte ich bereits tausende Follower, die mir dann irgendwann wiederum sagten: „Bitte, bitte, mache doch aus all deinen Ideen ein Buch.“

Somit hatte meine Followerschaft eigentlich die Idee mit den Backbüchern und nicht ich (lacht).

FIT FOR FUN: Hatten Sie dafür denn die Zeit?

Altekrüger: Ich befand mich sowieso in einer Neuorietierungsphase und überlegte, was ich nach der Elternzeit machen könnte.

Meinen alten Beruf im Vertrieb an der Staatsoper konnte ich aufgrund von Schichtarbeit nicht mehr weitermachen. Daher habe ich die Idee mit dem Kochbuch wirklich in Angriff genommen. Ohne Verlag.

FIT FOR FUN: Wie haben Sie es in die Realität umsetzen können?

Altekrüger: Mein erster Schritt war es, mir viele Backbücher zu kaufen, um mir anzuschauen, wie diese aufgebaut sind und worin die Wichtigkeit lag. Schritt zwei: Ich habe mir eine kostenlose Layoutsoftware heruntergeladen, um selbst mein eignes Buch zu entwerfen.

Zudem habe ich mit meinem Mann gesprochen, wie viel Budget unsere Haushaltskasse dafür hergibt – unser Startkapital lag bei 5000 Euro. Das reichte lediglich für den Buchdruck – Grafiker und Lektorat hätten das Budget gesprengt.

Zusätzlich machte ich eine Weiterbildung im Bereich Online-Marketing und einen HTML-Kurs – das Arbeitsamt unterstützte mich dabei –, sodass ich mir selbst meine eigene Homepage 'Die Wölkchenbäckerei' bauen konnte, um dort meine geplanten Bücher verkaufen zu können.

Danach ging es in die Vollen: selbst gebacken, fotografiert, gelayoutet und getextet. Und zu guter Letzt fand ich heraus, wie man eine ISDN-Nummer und ein Käuferkonto bei Amazon erstellt.

So, und dann mussten nur noch die gedruckten 1000 Exemplare an die Frau und an den Mann gebracht werden.

FIT FOR FUN: Wie lange mussten Sie warten, bis das erste Buch sich verkaufte?

Altekrüger: Überraschenderweise nicht lange. Am Abend kündigte ich bei Instagram an, dass mein Buch jetzt über Amazon erhältlich ist.

Am nächsten Morgen hatte ich bereits einen Bestseller-Button an meinem Buch und über Nacht circa 250 Bücher verkauft. Einfach unfassbar. Die 1.000 Bücher waren innerhalb von drei Tagen ausverkauft.

Das Kuriose: Amazon sperrte daraufhin meinen Account, da ich ein neuer Verkäufer ohne bisherige Kundenrezensionen war und es dennoch schaffte, in wenigen Stunden so viele Bücher zu verkaufen. Das war ihnen einfach suspekt.

Ich konnte zum Glück alles regeln. (lacht)

Danach überschlug sich alles: Presse und Fernsehen meldeten sich. Verlage wollten mich unterstützen. Die Unterstützung habe ich allerdings dankend abgelehnt.

FIT FOR FUN: Wie oft backen Sie noch für sich und Ihre Familie?

Altekrüger: Die Lust am Backen ist nach wie vor da. Ich backe unglaublich gerne. Meine dreijährige Tochter liebt es ebenfalls und möchte immer sehr gerne helfen.

Es gibt ja richtig leckere Kinderrezepte ohne Zucke, die vielen Kindern schmecken. Anstelle des Zuckers wird eine reife Banane oder ein geriebener Apfel unter den Teig gerührt – man merkt geschmacklich kaum einen Unterschied.

FIT FOR FUN: Gibt es bei Ihnen eventuell noch Cheat Days – zum Beispiel, wenn Sie mit Familie und Freunden auswärts essen gehen möchten?

Altekrüger: Ja, klar, immer wieder. Es kann nicht sein, sich jedes Mal als Außenseiter zu fühlen, wenn man mit der Familie und mit Freunden unterwegs ist. Dieser eiserne Verzicht ist nur kurzzeitig durchhaltbar.

Wiederum sollte man sich auch nicht jeden Tag ein Stückchen Kuchen gönnen – das geht für mich auch nicht. Aber hin und wieder mal – ja, auf jeden Fall. Das braucht man auch für die Seele.

Mein Rat: Man muss es im Kopf hinbekommen, dass nicht die Diät bzw. die Ernährungsform eine Ausnahme ist, sondern dass fettige oder zuckerhaltige Essen eine Ausnahme ist.

Dass das gesunde Essen zum Alltag gehört und dass man sich mit Schokolade oder der Geburtstagstorte eher Ausnahmen schafft.Danke Frau Altekrüger für das spannende und informative Interview.

Die zweifache Mutter, Hobbybäckerin und Bestseller-Autorin hat mit ihren beiden Backbüchern "Abnehmen mit Brot und Kuchen" den Nerv der Zeit getroffen – langfristige, gesunde Ernährung ohne Verzicht.

Die einfachen, schnellen Rezepte sind ideal für Backanfänger*innen, Berufstätige, Familien und Hobbybäcker*innen und die süßen sowie herzhaften Köstlichkeiten ein gelungener Mix aus vollwertigen, kalorienarmen, ballaststoff- und proteinreichen Zutaten.

Kurz und knapp: gesund, leicht und ziemlich lecker.

Andra Schmidt

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