Wann ein krummer Penis das Sexleben belastet und was Sie tun können

Er soll stehen – und das möglichst gerade. Dabei ist ein krummer Penis gar nicht ungewöhnlich. „Bei den meisten Männern ist der Penis nicht komplett gerade, wenn er erigiert ist“, sagt Dr. Franklin Kuehhas. Er ist Facharzt für Urologie und Andrologie.

Oft hat der Penis im erigierten Zustand eine leichte Krümmung nach oben, nach unten oder auch zu einer Seite. Das ist erst einmal nicht weiter auffällig. „Wenn eine Verkrümmung aber deutlich ausgeprägt ist, dann kann sie Schmerzen, Probleme beim Geschlechtsverkehr und andere Symptome verursachen“, sagt der Androloge. „Viele Männer berichten auch, dass ihr psychisches Wohlbefinden leidet.“

Die Symptome sollten im Mittelpunkt stehen

Vorab: Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Penisverkrümmung. „Unter einer angeborenen Verkrümmung leiden bis zu zwei Prozent der Männer“, sagt der Androloge. Deutlich häufiger ist eine erworbene Verkrümmung: Davon sind laut Kuehhas bis zu zehn Prozent der Männer betroffen.

Die gute Nachricht: Der verkrümmte Penis lässt sich behandeln. Viele medizinische Fachgesellschaften empfehlen das ab einem Verkrümmungsgrad von rund 30 Grad. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Verkrümmung, die objektiv gar nicht so stark ausgeprägt ist, zu Problemen beim Sex führt. Kuehhas rät deshalb, sich bei der Frage nach einer Behandlung nicht nur auf den Grad der Verkrümmung, sondern vor allem auf die Symptome zu konzentrieren.

Kleine Verletzungen im Schwellkörper können zu einer Verkrümmung führen

Die Art der Verkrümmung ist darüber hinaus vom Alter abhängig – eine erworbene Verkrümmung entwickelt sich erst im Laufe des Lebens. „Patienten mit einer angeborenen Penisverkrümmung gehen meist um das 20. Lebensjahr herum zum ersten Mal zu einem Urologen, um ihr Problem zu besprechen“, sagt Kuehhas. „Patienten mit einer erworbenen Verkrümmung sehe ich hingegen meist in einer Altersgruppe von etwa 40 Jahren.“

Die erworbene Verkrümmung wird auch als Induratio penis plastica (IPP) bezeichnet. „Sie entsteht oft durch kleine Verletzungen im Schwellkörper“, sagt Kuehhas. Der Körper reagiert auf die Verletzungen mit einer überschießenden Heilungsreaktion – und dadurch bildet sich eine Narbe, die als Knoten tastbar ist.

Erste Symptome sind Schmerzen und tastbare Knoten

Diese Veränderungen führen dazu, dass der Schwellkörper sich nicht mehr ausreichend entfalten kann – und so krümmt sich mit der Zeit der Penis. „Die Ursache für diese überschießende Reaktion ist bislang nicht ganz klar“, sagt Kuehhas. Experten gehen von einer Kombination aus einer genetischen Veranlagung und winzigen Verletzungen aus, die zum Beispiel beim Sex entstehen können, ohne dass man sie selbst bemerkt.

Zu den ersten Symptomen einer IPP zählen neben der Verkrümmung Schmerzen und tastbare Knoten am Penis. „Rund 40 Prozent der Männer leiden dabei sowohl im schlaffen wie auch im erigierten Zustand unter Schmerzen am Penis“, sagt Kuehhas.

Es gibt verschiedene Optionen für die Behandlung

Nach etwa drei Monaten bis zu zwei Jahren geht dieser Zustand in eine chronische Phase über. „Die Schmerzen lassen dann nach und die Verkrümmung verschlechtert sich nicht weiter“, sagt der Androloge. Ob und inwieweit eine Behandlung überhaupt notwendig ist, hängt von der Ausprägung der Symptome ab.

„Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Kuehhas. „Wichtig ist dabei aber unbedingt, dass man sich einem Arzt anvertraut, der sich mit dieser Thematik gut auskennt.“ Es stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. „Bevor man an eine Operation denkt, sollte man zunächst alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft haben.“ Dazu zählt zum Bespiel eine Injektionstherapie. Eine Stoßwellentherapie kann zudem die Schmerzen lindern, wenngleich sie nicht gegen die Verkrümmung wirkt.

In der chronischen Phase kann eine Operation helfen

„Falls diese Therapien nicht zur gewünschten Begradigung führen, sollte man in der chronischen Phase der Erkrankung an eine Operation denken“, sagt Kuehhas. Dafür gibt es unterschiedliche Verfahren, von denen einige allerdings dazu führen, dass der Penis sich verkürzt. „Man sollte sich deshalb unbedingt vorher umfassend beraten lassen und auch nach möglichen Komplikationen fragen“, sagt der Experte. „Einige Eingriffe lassen auch minimal-invasiv durchführen.“

Falls eine IPP nicht rechtzeitig behandelt wird, kann die Erkrankung auch dazu führen, dass die Betroffenen Probleme mit der Erektionsfähigkeit bekommen. „In diesen Fällen genügt leider eine simple Begradigung nicht mehr“, sagt der Experte. Betroffene können sich aber eine Penisprothese implantieren lassen.

Übrigens: Auch wer unter der selteneren angeborenen Penisverkrümmung leidet, sollte sich nicht scheuen, einen Arzt um Rat zu fragen, falls er Beschwerden verspürt.

Dieser Artikel wurde verfasst von Maria Berentzen

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*Der Beitrag „Wann ein krummer Penis das Sexleben belastet und was Sie tun können“ stammt von GQ. Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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