Als Sportlerin glaubte ich, gesund zu leben – bis ich meine Blutwerte erfuhr

Es gibt da ein paar Dinge in meiner Ernährungsbiografie, die mir heute peinlich sind. Zum Beispiel, dass ich als Studentin zum Frühstück oft nur eine Dose kalte Cola getrunken habe. Darüber, was ich esse und trinke, machte ich mir lange keine Gedanken. Ich treibe viel Sport, da kann ich mir auch mal was gönnen. Das war mein Ansatz. Das war nicht immer schlecht. Aber eben viel zu oft einfach nicht gut. Fast Food, Chips, Gummibärchen, Eis und süße Getränke waren meine große Liebe. Zwischendurch gab es auch Obst und Gemüse, sogar reichlich. Übergewicht hatte ich keins. Ich fühlte mich sicher. Bis vor ein paar Monaten.

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Ich bin Läuferin und war bisher von Verletzungen verschont geblieben. Plötzlich war das anders. Es fing mit der rechten Fußsohle an. Die schmerzte nun bei jedem Schritt. Zwei Sportmediziner fanden aber keine Ursache. Dann spürte ich, dass meine Muskulatur beim Laufen viel früher ermüdete, nachts wurde ich oft von Krämpfen in den Beinen heimgesucht. Obwohl ich nichts an meinem Training verändert hatte.

Durch Zufall stand mein jährlicher Blutcheck bei der Hausärztin an. Bisher hatte ich immer gut abgeschnitten. Diesmal sagte sie: „Ihre Werte sind okay.“ Sie meinte damit vor allem Entzündungswerte, Cholesterin und Triglyzeride – also Fette. Vor allem die waren zwar nicht erhöht, aber an der oberen Grenze. Im Vergleich zu den Vorjahren war die Tendenz klar steigend. Keine Katastrophe, aber ein kleiner Schreck war es trotzdem.

Lag ich falsch mit meiner Hoffnung, dass ich ewig jung und gesund bleibe, wenn ich mich nur genug bewege? Und könnten meine muskulären Probleme etwas mit meiner Ernährung zu tun haben? Etwa der Hinweis sein auf ein schleichend wachsendes Problem? Meine Hausärztin war direkt: „Absolut, Muskeln, Sehnen und Knorpel werden mit den Nährstoffen und Abfallstoffen im Blut versorgt und durchspült, ist da etwas nicht in Ordnung, kann das zu solchen Beschwerden führen.“

Na super, dachte ich, als ich die Praxis verließ. Es war an der Zeit, etwas zu ändern. Aber was? Überall steht etwas anderes. Vieles klingt logisch, aber heißt das auch, dass es stimmt? Also verschaffte ich mir einen Überblick, las Studie um Studie und redete mit Experten.

Du bist, was du isst

Eins wurde schnell klar: Es geht bei einer guten Ernährung nicht darum, Kalorien zu zählen. Stattdessen setzt sich unter Medizinern und Wissenschaftlern die Überzeugung durch, dass vor allem wichtig ist, was wir essen. Denn jedes Lebensmittel löst eine Reaktion in unserem Körper aus. Von Softdrinks wie Cola oder Energydrinks weiß man zum Beispiel, dass schon eine Dose die Gefäßfunktion verschlechtert. Dunkle Schokolade mit einem Kakaogehalt von über 90 Prozent hingegen enthält besonders viel von dem Wirkstoff Flavanol, ein Antioxidans, das gut für die Herzgesundheit ist.

Es gibt wissenschaftlich klar belegte Listen von Lebensmitteln, die gut für uns sind, und solchen, die wir lieber meiden sollten. Mit deren Hilfe begann ich meine Ernährung umzustellen. Ab sofort keine süßen Getränke mehr, Zucker strich ich fast komplett vom Speiseplan. Müsli wurde von nun an selbst gemischt – mit Haferflocken, Kokosraspeln, Walnüssen, gehackten Mandeln und dem, was das Vollkornregal noch so hergibt. Statt Milch kam ungesüßter Vollfett-Joghurt dazu. Ja, Vollfett. Denn das ist heute klar: Fette sind nicht ungesund. Außerdem geht es beim Joghurt vor allem darum, dem Körper gute Bakterien zuzuführen. Die wiederum dafür sorgen, dass die Billionen die Magen, Darm und Haut bereits besiedeln, gesund bleiben.

Denn das sogenannte Mikrobiom ist ein Superorgan, das zahlreiche Vorgänge in unserem Körper reguliert. Die Bakterien helfen dabei, Essen zu verdauen, sie produzieren wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Sogar unseren Hunger steuern sie.

Jedes Lebensmittel löst im Körper eine Reaktion aus

Ebenso habe ich stark verarbeitete Gerichte von meinem Speiseplan gestrichen. Wegen der vielen ungesunden Zusatzstoffe und der großen Menge Salz, die sie meist enthalten. Rotes Fleisch vom Rind, Lamm oder Schwein gibt es höchstens noch einmal pro Woche. Wurst fast gar nicht mehr. Die steht im Verdacht, die Lebenserwartung zu verkürzen. Wegen der gesunden Omega-3-Fettsäuren kommt nun mehr Fisch auf meinen Teller.

Statt Gummibärchen liegen in meiner Schreibtischschublade im Büro Mandeln, Erd- und Walnüsse. Lange waren sie von Ernährungsexperten verdammt worden, aber heute weiß man, dass sie viel gutes Eiweiß, Faserstoffe, Magnesium und gesunde Fette enthalten. Auch davon profitieren Läufer.

Zum Abendessen steht bei uns immer eine Flasche Olivenöl auf dem Tisch. Unter Fischern auf Kreta gilt angeblich das Sprichwort: „Trink ein Glas Olivenöl am Tag, und du lebst ewig.“ Sie könnten recht haben. Gutes Olivenöl mit dem Label „Extra vergine“ zum Beispiel weitet die Arterien und senkt den Cholesterinwert. Beides reduziert deutlich die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Umstellung meiner Ernährung war keine Revolution oder gar Qual. Nach drei Monaten merke ich kaum mehr, dass ich auf manches verzichte. Was ich aber spüre: Ich kann viel weiter rennen – ohne dass meine Muskeln schwach werden. Die Schmerzen in der Ferse sind fast verschwunden. Ein paar Kilo habe ich auch verloren. Insgesamt fühle ich mich viel gesünder, viel weniger müde und viel leistungsfähiger. Ich bin schon sehr gespannt, was meine Hausärztin bei der nächsten Untersuchung sagen wird.


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