Schläge, Hunger, Einzelhaft – welchen Horror manche Psychiatrie ihren Patienten antut

Erschreckende Zustände auf psychiatrischen Stationen und sogar körperliche, seelische Gewalt, Essensentzug und Einsperren vermutlich sogar mit Todesfolge in einer Einrichtung in der Eifel – vor einem Jahr brachte das Team Wallraff unfassbare Missstände ans Licht und deckte dann weiter auf.

Günter im On am Schreibtisch: Off Kommentar: Wir haben viele Zuschriften bekommen…

Allein die  bezogen auf die Einrichtung Case Project füllen inzwischen 60 eng bedruckte Seiten. Was die psychisch erkrankten Bewohner   dort durchmachten grenzt an Folter.

O-Ton  Bilal Die drei Tage gab es gar kein Essen. Da habe ich gar kein Essen bekommen.

Nicht nur die Bewohner, auch einige ehemalige Betreuer belastet das Erlebte bis heute.  

O-Ton Tobias T. Schlechtes Gewissen? Darum bin ich hier

O-Ton Pfleger Helge Das belastet mich bis heute, ich habe nichts dagegen unternommen.

Strafmaßnahmen wie diese waren in der Einrichtung keine Seltenheit.

Freistand Wenn du dir selbst weh tust…

Eine Betreuerin quälte eine geistig und körperlich beeinträchtigte Frau minutenlang …

Freistand Betreuerin schreit Bewohnerin an

…die Bewohnerin wurde so lange hin und hergezerrt, bis sie nicht mehr konnte.

Es waren Bilder, die unter die Haut gingen. Bilder, die Diskussionen ausgelöst haben.

Aufgenommen mitten in einem kleinen Dorf in der Eifel – 

Eigentlich sollte die Einrichtung hier in Wanderath ein Zufluchtsort für Jugendliche und junge Erwachsene sein, die psychische Probleme haben und Hilfe brauchen. Doch das, was sie hier zum Teil fanden, waren: Kälte, Verrohung und Gewalt. Einer, der das miterlebte, war Justin Reuter. Als Jugendlicher lebte er eineinhalb Jahre in der Jugendgruppe des Case Projekts.

O-Ton Justin Wie war die Stimmung? Ich wurde wie ein Tier behandelt…

Besonders die Einrichtungs-Leiterin, Michaela Plümecke, schien ihre Machtposition immer wieder zu missbrauchen. 

Freistand Nicht viel pädagogisch reden, das bringt ja nichts. Erst mal Grenzen setzen. Krav Maga, hebräische Kampfkunst

Wenn ein Bewohner mit den Tränen kämpfte, hatte die Heimleiterin ihre ganz eigene Art damit umzugehen.

Freistand Da war natürlich der Arsch ab…bei einem Narzisten ist das alles nicht echt, Sonst müsste ich die ihm aus dem Gesicht schlagen.

Eine Bewohnerin zeigte uns eine ominöse Zelle im Keller, dem so genannten Deeskalationsraum. Doch nur zum Deeskalierent, also Beruhigen, wurde dieser jedenfalls nicht genutzt. Ganz im Gegenteil, die Bewohner wurden hier anscheinend regelmäßig stunden – manchmal sogar tagelang eingesperrt.

Freistand Was ist das? Hier kommt man rein, wenn man was angestellt hat.

Einmal waren wir dabei, als ein Betreuer einem Bewohner in der abgeschlossenen Zelle Brote und Medikamente brachte.

Eingesperrt – ohne Tageslicht, ohne Aufsichtsperson. Ohne Toilette. 

Freistand Wir stellen da immer einen Eimer rein… Den letzten hat er zerstört.

Einen Eimer für seine Notdurft. Und dann pries der Betreuer noch die vermeintlichen Vorteile dieser Gummizelle an.

Freistand Hier kannste ruhig mit dem Kopf gegen die Wand hauen, macht nix. 

Auch der ehemalige Bewohner Justin Reuter kennt diesen Raum nur zu gut. Mehrfach wurde er darin eingesperrt. 

O-Ton Justin DR- kürzen Ich war mehrmals auch zwei Tage drin. Wenn du zur Toilette musstest… Wir hatten einen Eimer drin. Hab öfter gegen die Wände geschlagen… Ich hätte mich auch umbringen können, die hätten das nicht mitbekommen.

Die Bestrafungsaktionen variierten immer wieder. 

Freistand: Ich durfte nur ein Brotscheibe pro Mahlzeit  haben

Freistand 1 Brotscheibe pro Mahlzeit haben. Weil ich mehrmals abgehauen bin.

Justin, berichtet, er habe in eineinhalb  Jahren Aufenthalt fast 10 Kilo abgenommen. Seine Mutter hat ihn schließlich dort rausgeholt.

All das spielte sich in einem scheinbar rundum beschaulichen Dorf in der Eifel ab.

Nach der Ausstrahlung der Sendung bekam das Team Wallraff so viel Zuschauerpost wie nie zuvor, darunter auch Mails von Zeugen, denen bisher der Mut fehlte, über die Zustände in Wanderath zu sprechen.

Einer davon ist der ehemaligen Mitarbeiter Tobias T.  Vor drei Jahren machte der junge Mann ein 7-monatiges Praktikum im Case Project. Der damals 17jährige hat Dinge gesehen und selbst getan, über die er bis heute geschwiegen hat. 

 O-Ton Treppke Ich bereue alles—deswegen bin ich hier.

Frage: Welche Atmosphäre hat Frau Plümecke verbreitet? Angst, Einschüchterung, reine Macht …

Hier ein Beispiel für den Ton, den die Einrichtungs-Leiterin teilweise gegenüber Bewohnern angeschlagen hat.

Freistand Plümecke Szene Ich kann das nicht mehr aushalten, kaum ist man hier fangen Sie an zu fordern. Lassen Sie das. Man!

Auch ein anderer Erzieher aus dem Jugendbereich hat mittlerweile den Mut mit uns zu sprechen. Genau wie manch andere ehemaligen Mitarbeiter fürchtet er auch heute noch Ärger. Deshalb will er unerkannt bleiben. Wir nennen ihn Helge… 

O-Ton Haben auch ihre Kolleginnen darunter gelitten? Ich glaube wir haben es da nicht nur mit traumatisierten Jugendlichen sondern auch mit traumatisierten Kollegen zu tun.

Im Erwachsenenbereich haben wir 2018 bei unseren Recherchen die Bewohnerin Celine kennen gelernt.  Auch Celine ist von Bestrafungen nicht verschont geblieben.  Weil sie sich für eine Mitbewohnerin einsetzte und sich die Betreuer provoziert fühlten, wurde die damals 18jährige zwei Mal in den Deeskalationsraum gesteckt.

Freistand Ohne Licht, im Dunkeln. Die wollten, dass ich mich ausziehe, nur mein Hemd und meine Socken anlasse.

Mittlerweile lebt Celine in einer eigenen Wohnung. Unterstützt von ihrer Pflegemutter will sie ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen.

Viel ist passiert in der Einrichtung in Wanderath. Das Dorf gehört zur rheinland-pfälzischen Gemeinde Baar und hat nicht mehr als 400 Einwohner. Eigentlich weiß hier jeder über jeden Bescheid. Doch das, was mitten im Dorf dort tatsächlich passierte , hat anscheinend noch nicht mal der Bürgermeister gewusst.

Freistand Heribert Hänzgen Bürgermeister Gemeinde Baar

Das hat mich überrascht. Man hat hier in der Richtung im Dorf nie etwas gehört.

Wussten Sie, dass da unten so ein Deeskalationsraum war? Ich wusste schon, dass da so ein Raum gewesen ist. Aber dann geht man ja davon aus, dass alles so seine Richtigkeit hätt.

Bei unserem Undercover Einsatz 2018 lernten wir noch einen weiteren Bewohner kennen. Bilal. Ein Flüchtling aus Syrien, der unter einem Kriegstrauma und an Depressionen litt.  An seinem 18. Geburtstag brachte man Bilal nach Wanderath. Hier sollte ihm geholfen werden. Heute weiß er, dass das Gegenteil der Fall war.

Freistand Bilal Die da arbeiten, die machen die Bewohner noch kränker.

Kaum angekommen wurde Bilal von der Einrichtungs-Chefin schon abgeurteilt.

Freistand Der kann ja wieder zurück nach Syrien, wenn er meint, dass es besser für ihn ist. Ich werde dem keine Steine in den Weg legen. Der fühlt sich hier sofort unwohl.

Die Chefin, Michaela Plümecke, gab Bilals neuer Betreuerin ganz klare Anweisungen.

Plümecke: Den machen wir ganz klein hier. Mitarbeiterin: Der ist aber ganz freundlich eigentlich. Plümecke: Das ist das Gefährliche bei dem…

Bilal musste während seines gesamten Aufenthalts in Wanderath Medikamente einnehmen. Immer wieder versuchte er den Betreuern zu erklären, dass er sich damit schlapp und müde fühlt.

Freistand Was passierte, wenn Sie das nicht nehmen wollten? Strafen: kein Essen, kein Wasser. Kein Wasser? Keine Getränke, kein Essen, gar nichts. So lange bis ich die Medikamente nehme

Man nahm ihm sein Handy ab, seine persönlichen Sachen, er durfte niemanden sehen. Ähnlich wie im Gefängnis. 

Freistand Normalerweise bist du in Syrien mein Freund und jetzt bist du hier und jetzt lernst du! Echt, ich habe keine Lust auf so etwas. Der will nicht hierbleiben, also das sagt er dauernd. Der will nirgendwo bleiben.

Die Betreuer sprechen hier über einen jungen Mann, der an Depressionen litt und einfach nur Hilfe suchte, um sich weit weg von Familie und Heimat zurecht zu finden.

Freistand Es gilt ihn jetzt wirklich aus der Reserve zu locken. Und selbst, wenn der noch einmal droht oder irgendwas macht, dann tut das weh. Und sie halten ihn nicht fest, sie hauen drauf. Wenn der droht, dann leg ich den sofort. Ja, am besten. Und wenn er sich nicht legen lässt, dann hauen Sie ihn gegen das Ohr bis er umkippt und dann legen sie sich drauf. Feierabend!

Bei der folgenden Situation meint  man förmlich die Genugtuung der Betreuer zu spüren, dass endlich das passiert, worauf sie spekuliert hatten.

Freistand Der Vitali ist mit Bilal am Boden. Sollen wir mal gucken? Oh ja, ist es schon soweit.

Bilal hatte einen Streit mit einem Betreuer. Was sie wegen der Verfremdung im Bild nicht sehen können: Die Betreuer machen den Eindruck, als wenn sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen.  eine Betreuerin lächelt sogar.

Freistand Dann ist es ja schneller gegangen als ich gedacht habe. …der kommt jetzt in den Deeskalationsraum.

Das war nicht das einzige Mal. Angeblich weil er sich nicht an die Haus-Regeln gehalten hatte.. 

O-Ton Bilal heute Die haben mich aufgelegt auf den Boden. Sie waren zu fünft. Die haben mich in den Keller gebracht. Ich war nur in Unterwäsche. Das war ein Mittwoch. 3 Tage in dem Keller gesessen. Am nächsten Tag hat mir ein Betreuer Wasser gebracht. Nichts zu essen. Ich saß dort im Dunkeln.

Tatsächlich konnte unsere Reporterin damals dokumentieren, dass Bilals Kleidung stundenlang vor dem Deeskalationsraum lag. Es war keine Aufsichtsperson zu sehen. Bilal wurde alleine weggesperrt.  Manchmal sollen es nur Kleinigkeiten gewesen sein, die zum Einschluss führten. Wenn jemand nicht spazieren gehen oder nicht gemeinsam fernsehen wollte.

O-Ton Gab es denn auch welche, die sich gewehrt haben? Ja, es gab einige, die sich gewehrt haben, die wurden dann richtig verprügelt. Die kamen dann mehrere Tage in den DR. Einige kamen quittenblau aus dem Raum. Nach Tagen.

Fast 1,5 Jahre war Bilal Bewohner in Wanderath. Dann nahm er all seinen Mut zusammen und floh mit Hilfe eines Freundes aus der Einrichtung.      Heute nimmt Bilal keine Medikamente mehr, den Realschulabschluss hat er schon, eine Wohnung auch – jetzt schmiedet Pläne für die Zukunft.

O-Ton Ich will Psychologe werden und den Menschen helfen…die in Wanderath haben uns ja nicht geholfen.

Nicht nur in der Einrichtung in Wanderath, auch auf der Akutstation der Psychiatrie Frankfurt Höchst haben wir 2018 bei unseren undercover Recherchen Missstände aufdecken können.

Die Station war überbelegt, an manchen Tagen war es laut, Patienten, liefen wie Tiere im Käfig auf und ab. Einige wurden tage – manche sogar wochenlang fixiert, also gefesselt. Ärzte und Pfleger schienen mit den Patienten überfordert. 

Freistand Atmo Du blöde F…! Ich will meinen Flieger, ich will weg hier

Peter H. ist Pfleger in Frankfurt Höchst. Er möchte nicht erkannt werden.  Auch er war schockiert als er die Sendung gesehen hat. Peter H. ist schon lange frustriert, dass er und viele Kollegen unter solchen Bedingungen arbeiten müssen. (Bitte deutlich machen , dass Peter H. Name geändert ist)

Freistand Ich hab geweint, weil es mich so sehr mitgenommen hat. Habe solche Szenen oft gesehen. Es ist manchmal nackte, pure Verzweiflung auf beiden Seiten der Scheibe.

Unsere Reporterin lernte damals eine nette, ältere Dame kennen, die sich wegen einer Depression helfen lassen wollte und dann hier landete.

Freistand Ich bin fix und fertig, ich kann hier nie gesund werden.

Als die Reporterin das Pflegepersonal auf die alten Dame ansprach, stieß sie auf wenig Mitgefühl.

Freistand Vielleicht ist das mal ne kleine Lehre für die alte Dame, damit sie sich dann vorher überlegt, ob sie suizidale Gedanken äußern will.

Nach der Sendung hat sich Marcus Schumm bei uns gemeldet, auch er leidet unter Depressionen und war selbst Patient auf genau dieser Station.

O-Ton Also bei mir hatte sich die gesamte Depression nur noch verschlimmert. Meine Gedanken sind immer schwärzer geworden.

Nach drei Monaten entlässt sich Marcus Schumm auf eigene Verantwortung. Als er wenig später die Team Wallraff Reportage sieht, will er endlich handeln.

Freistand Nach der Sendung habe ich mich entschlossen, ich mache was dagegen, um das nicht einfach stehen zu lassen.

Er schreibt einen Brief an die Klinik und an die zuständigen Behörden und bestätigt darin all das was in der Team Wallraff Reportage gezeigt wurde. 

Schon wenige Tage nach der Ausstrahlung trafen sich die Vertreter des Sozialministeriums, des  Klinikums Höchst und der Stadt Frankfurt zu einem Krisengipfel.

OT Dr. med. Dorothea Dreizehnter Geschäftsführerin des Klinikums Frankfurt Höchst

Wir nehmen das jetzt als Chance etwas zu verändern. Teppich gekehrt in den letzten Jahren.

Das tatsächlich etwas verändert wurde, kann der Pfleger Peter H. bestätigen. Er ist dankbar dafür, dass die Wahrheit endlich ans Licht kam, damit es Szenen wie diese in Zukunft nicht mehr gibt.

Szene Schreierei Jeden Tag die gleichen Situationen an dieser Tür.

O-Ton Es wird anders mit den Patienten umgegangen, anders gesprochen. Das hat sich schon deutlich verändert. 

Es ist noch viel zu tun im Klinikum Höchst, aber der Anfang ist gemacht – zum Wohl der Patienten und der Mitarbeiter.

Zurück zu den Vorfällen in der Einrichtung in Wanderath. Bilal, Justin, Celine, Tobias… insgesamt haben sich mehr als 16 ehemalige Bewohner und ehemalige Mitarbeiter bei uns gemeldet, um mit uns über die Geschehnisse im Case Projekt zu sprechen. 

Dabei wurde uns von einem Vorfall berichtet, den mehrere Zeugen eidesstattlich versichern. 

Es geht um eine junge Frau: Carola, sie hat eine geistigen Behinderung. Die 28jährige lebte seit Jahren in der Einrichtung in Wanderath. An einem späten Nachmittag im Frühjahr 2016 klagte sie über Unwohlsein, es ging ihr offensichtlich sehr schlecht.  

Zeuge Tobias Ihr ging es ganz dreckig…sie hat kaum noch Luft gekriegt… Weil sie danach gefragt hatte.

Wir haben den nun folgenden Ablauf anhand mehrerer Zeugenaussagen zeichnen lassen.

Bevor Tobias Carola das Wasser geben kann, kam die Einrichtungsleiterin hinzu. Sie drückte Carola auf den Boden, behauptet, dass Carola nur simuliere und forderte Tobias auf, der offensichtlich Kranken das Glas Wasser ins Gesicht zu schütten. 

Danach weist die Leiterin Tobias und einen zweiten Praktikanten an, Carola in den Deeskalationsraum zu bringen. 

Freistand Sie konnte auch nicht alleine laufen. Wir haben sie die Treppe fast runter getragen. 

Tobias hat eine Ersthelfer-Ausbildung, er bringt Carola im Deeskalationsraum noch in die stabile Seitenlage.

Tobias Dann wurden wir auch schon angeschrien, wir sollten sofort aus dem Raum raus.

Danach verschließt die Einrichtungsleiterin den Raum und alle verlassen den Keller.

Später am Abend haben Zeugen beobachtet, wie Carola auf der Matratze liegend aus dem Raum rausgezogen und auf den Flur des Kellers gelegt wurde.

Freistand Tobias Da lag dann Carola, bewegungslos, auf einer Gummimatratze und wurde wiederbelebt von einem Mitarbeiter, der meinte, er wäre medizinisch gut ausgebildet.

Wiederbelebungsversuche auf einer elastischen Gummimatratze. Medizinisch völlig sinnlos. Der Patient müsste dafür eigentlich auf einer möglichst harten Unterlage liegen.

Carola stirbt. Mit 28 Jahren, vermutlich in diesem verschlossenen Deeskalationsraum.  Die sichtbar Krank wirkende Carola soll nicht ärztlich behandelt, , sondern unbeaufsichtigt eingesperrt worden sein und starb. Nachunserer Beurteilung wäre dies – glaubt man den Schilderungen der Zeugen – Freiheitsberaubung mit Todesfolge. Vermutlich wurden diese jetzt per Eides Statt versicherten Geschehnisse der Zeugen deshalb  jahrelang geheim gehalten. 

Freistand Tobias Jeder sollte die Klappe darüber halten, dass das überhaupt passiert ist.

Offiziell laut Aktenlage ist Carola eines natürlichen Todes gestorben. Nicht im Deeskalationsraum, sondern im Flur davor. Anscheinend war ihr Körper übersät mit blauen Flecken, aber auch dafür hatte man eine Erklärung.

Freistand Helge In der Argumentation, dass sie blaue Flecken hatte, wurde gesagt, dass sie die Treppe heruntergefallen sei, als sie die Wäsche gemacht habe.

Wir haben alle eidesstattlichen Versicherungen , in denen über die Geschehnisse in Wanderath und auch zum Teil über den Tod von Carola dem Landesamt für Jugend und Soziales in Rheinland Pfalz übergeben. 

Interview… O-Ton Detlef Placzek Präsident Landesamt Jugend und Soziales

Dann gab es ja eine gute Zusammenarbeit, das muss ich ja von meiner Seite bestätigen, da wir das unverpixelte Material ansehen konnten und diese eidesstattlichen Versicherungen wo Ross und Reiter genannt wurde, da war handeln angesagt und das haben wir auch gemacht.

Der Träger der Einrichtung hat sofort reagiert. Durch die Team Wallraff Sendung unter Druck gesetzt, wurde im September die Jugendgruppe komplett geschlossen und die Leiterin, Frau Plümecke, trat selbst zurück.

Auch der Staatsanwaltschaft Koblenz hat das Team Wallraff alle 16 Eidesstattlichen Versicherungen zukommen lassen.  Wir haben die Staatsanwaltschaft um eine Stellungnahme gebeten:

Die uns in den eidesstattlichen Versicherungen zur Kenntnis gebrachten Beobachtungen (…) sind Gegenstand der eingangs erwähnten Ermittlungen. Diese Ermittlungen erstrecken sich auch auf den Tod von Carola im März 2016.  

Es laufen also gleich mehrere Ermittlungsverfahren

„…Die Staatsanwaltschaft Koblenz führt Ermittlungsverfahren gegen eine 49-jährige Frau und einen 62 Jahre alten Mann wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung.“ .“

Weiter heißt es…

„Zudem sollen sie in einer ebenfalls noch nicht bestimmbaren Anzahl von Fällen Bewohner der Einrichtung ohne rechtfertigenden oder entschuldigenden Grund körperlich misshandelt haben.“

Die Staatsanwaltschaft betont jedoch auch ausdrücklich, dass ihre Ermittlungen laufen und für die Beschuldigten nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt. 

Michaela Plümeckes Anwalt lässt mitteilen, „dass aus Rücksicht auf das laufende strafrechtliche Ermittlungsverfahren eine Stellungnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht veranlasst ist.“

Der Präsident des Landeamtes für Jugend und Soziales zieht daraus jedenfalls Konsequenzen, auch im Hinblick auf die Einrichtungsleiterin:. 

Placzek zu Plümecke Wenn die maßgeblich für Missstände Verantwortlichen…wird man denen wieder so einen Job geben? Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wird das ausgeschlossen sein, das wird es nicht geben.

Die Jugendeinrichtung ist geschlossen, die Erwachseneneinrichtung aber kann man nicht schließen, für die 30 Bewohner ist es ihr Zuhause. Eine externe Beratungsfirma arbeitet an einem neuen Konzept. 

O-Ton Birgitta Neumann (Externe Beraterin)

Der Deeskalationsraum ist jetzt ein normaler Lagerraum.

Ist es überhaupt möglich, die Mitarbeiter wieder neu auszurichten? Einen neuen Anfang gut schaffen kann und ich erlebe eine hohe Bereitschaft etwas zu tun.  

Ich denke schon, die Mitarbeiter sind motiviert.

Es hat sich einiges getan in den vergangenen Monaten. Gerade, weil es Menschen gibt, die etwas verändern, die etwas erreichen wollen und aufgehört haben wegzusehen. celine O-Ton Günter Unsere Enthüllungen haben langanhaltend zu Verbesserungen geführt…und das ist nicht allein unser Verdienst, sondern denen zu verdanken, die den Mut hatten an die Öffentlichkeit zu gehen, eidesstattlichen Erklärungen vorzulegen und denen einen Stimme zu geben, die sonst hilflos und ohnmächtig sind.

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