Kein Antibiotikum vor Checkpoint-Inhibitor-Therapie!

Das Mikrobiom entscheidet mit, ob ein Tumorpatient auf eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren anspricht oder nicht. Worauf kommt es beim Mikrobiom an, wie wirken sich Antibiotika aus? Und wie können Apotheker „ganz einfach“ zum Therapierfolg beitragen? 

„Wir sollten Tumorpatienten mit Checkpoint-Inhibitor-Therapie keine Antibiotika geben“, mahnt Professor Andreas Neubauer, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg, beim klinisch-pharmazeutischen Fortbildungskongress KlinPharm Update 2019 im September in Wiesbaden. Die Ratio dahinter: Antibiotika verändern das Mikrobiom der Tumorpatienten, dieses entscheidet jedoch zahlreichen Studien zufolge mit, ob eine Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) erfolgreich den Tumor bekämpft oder nicht.

Breitspektrum-Antibiotika verschlechtern Checkpoint-Inhibitor-Wirkung

Den jüngsten Hinweis für therapeutisch relevante Wechselwirkungen von Checkpoint-Inhibitoren und dem Mikrobiom lieferte die Arbeit von Onkologen am Imperial College London. Sie stellten sich die Frage: Beeinflusst eine Breitspektrum-Antibiose bei Tumorpatienten das Ansprechen von Immun-Checkpoint-Inhibitoren in der klinischen Praxis? Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler Anfang September im renommierten JAMA – „Association of Prior Antibiotic Treatment With Survival and Response to Immune Checkpoint Inhibitor (ICI) Therapy in Patients With Cancer“.

In der prospektiven, bizentrischen Kohortenstudie nahmen 196 Tumorpatienten (137 Männer, 59 Frauen; medianes Alter: 68 Jahre [27-93]) teil, die im Zeitraum von Januar 2015 bis April 2018 mit einem ICI behandelt wurden. Die meisten Patienten litten an einem NSCLC (n=119) oder Melanom (n=38). 20 Prozent der Patienten hatten eine andere Tumorentität (n=39). 26 Patienten erhielten Antibiotika vor ICI-Therapie, 68 Patienten währenddessen. Als primären Endpunkt definierten die Wissenschaftler das Gesamtüberleben (OS, overall survival) und das Therapieansprechen, wenn die onkologischen Patienten entweder bis 30 Tage vor Checkpoint-Inhibitor-Therapie (pATB, prior Antibiotics) oder während des Therapiezyklus (cATP, concurrently Antibiotics) Antibiotika erhielten.

Antibiotika während Checkpoint-Inhibitor-Gabe ohne Effekt

Das Fazit kurzgefasst: Patienten, die bis zu 30 Tage vor ICI-Behandlungsbeginn ein Breitspektrum-Antibiotikum erhalten hatten, starben früher und sprachen schlechter auf die Checkpoint-Inhibitor-Therapie an, als Tumorpatienten ohne vorherige Antibiose. Interessanterweise fanden die Onkologen, dass nur eine Antibiotikatherapie vor Checkpoint-Inhibitor-Behandlung – nicht aber während der ICI-Therapie – das Ansprechen und das Gesamtüberleben verschlechterten. Studienautor Dr. David Pinato (Imperial’s Department of Surgery & Cancer) erklärt: „Die Krebsimmuntherapie kann bei etwa 20 Prozent der Patienten erfolgreich sein, aber es ist äußerst schwierig vorherzusagen, wer darauf ansprechen wird. Diese Arbeit fügt weitere Beweise dafür hinzu, dass Antibiotika einen Einfluss haben. Wir haben gezeigt, dass mit der vorherigen Antibiotika-Exposition das Ansprechen der Patienten auf Immuntherapie und ihr Überlebensvorteil zusammenbrechen“. Laut den Onkologen bergen diese Ergebnisse das Potenzial, Einfluss auf die klinische Praxis von Checkpoint-Therapien zu nehmen – einschließlich einer höheren Schwelle für Antibiotikagaben vor geplanten ICI-Behandlungen.

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