Einnahme von Antibiotika: Sechs Fehler, die Sie vermeiden sollten

Antibiotika sind ein Segen – einerseits. Seit der Entdeckung des Wirkstoffs Penicillin im Jahr 1928 sind Krankheiten, die zuvor häufig tödlich verliefen, heilbar: Lungenentzündungen etwa oder schwere bakterielle Infektionen. Heute gibt es eine Vielzahl an Substanzen, die auf unterschiedliche Weise wirken. Einige Mittel töten Bakterien, andere hemmen sie in ihrem Wachstum. Auf diese Weise unterstützen sie das Immunsystem des Körpers.

Auf der anderen Seite besitzen Antibiotika zahlreiche Nebenwirkungen: So können die Mittel nicht zwischen guten und krankmachenden Bakterien unterscheiden, was dazu führt, dass sie auch die nützlichen Bakterien des Darmes angreifen. Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden und Übelkeit zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen während einer Antibiotikatherapie. Einige Menschen entwickeln zudem eine allergische Reaktion, andere Pilzinfektionen der Schleimhäute. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät daher, Antibiotika „so oft wie notwendig und so selten wie möglich“ einzusetzen. Das soll auch verhindern, dass die Erreger resistent gegenüber den Substanzen werden.

Um eine gute Wirkung zu erreichen, müssen Antibiotika immer nach Vorschrift der Packungsbeilage eingenommen werden. So sind die richtige Dosis und gleichmäßige Zeitabstände zwischen den Einnahmen wichtig – sie halten den Wirkstoffspiegel im Blut konstant. Auch diese Punkte sollten Patienten während der Therapie beachten:

Fehler 1: Antibiotika zusammen mit Milch einnehmen

Einige wenige Wirkstoffe vertragen sich nicht mit Milch und Milchprodukten. Dazu zählen Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline und Gyrasehemmer, etwa Doxycyclin, Ciprofloxacin und Norfloxacin. Sie haften sich an das Kalzium aus der Milch und bilden auf diese Weise winzige Knäuel, die der Körper nicht verwerten kann. Die Arznei wandert unbehelligt durch Magen und Darm und bleibt wirkungslos.

Ärzte und Apotheker können Auskunft darüber geben, ob die jeweilige Arznei dazu zählt. Es besteht jedoch kein pauschales Verbot für die Dauer der Antibiotikatherapie. Zwischen der Einnahme des Medikaments und dem Verzehr von Milch, Käse und Quark sollten allerdings mindestens zwei Stunden Abstand liegen.

Fehler 2: Antibiotika ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen

Ein Antibiotikum muss streng nach Vorschrift eingenommen werden. Der behandelnde Arzt stimmt Wirkstoff und Dauer der Einnahme auf die zugrunde liegende Infektion ab. Wer ein Antibiotikum einfach auf Verdacht und ohne ärztlichen Rat schluckt, handelt fahrlässig und riskiert Nebenwirkungen. Im schlimmsten Fall bilden Bakterien durch Einnahmefehler eine Resistenz gegen das Antibiotikum. Es verliert dann seine Wirkung. 

Fehler 3: Nicht zusätzlich verhüten

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Frauen, die mit der Antibabypille verhüten und gleichzeitig ein Antibiotikum einnehmen, rät der Berufsverband der Frauenärzte zu erhöhter Vorsicht: Möglicherweise mindert die Arznei die Wirkung der Pille. Insbesondere Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline, Tetracycline, Cephalosporinen und Chloramphenicol seien davon betroffen. Um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, sei es daher sinnvoll, bis zur nächsten Regelblutung zusätzlich mit Kondomen zu verhüten.

Fehler 4: Sport treiben

Menschen, die ein Antibiotikum nehmen, bekommen vom behandelnden Arzt meist auch ein striktes Sportverbot auferlegt. Der Grund dafür ist aber nicht etwa das Medikament, sondern die Krankheit, gegen die der Körper ankämpft. Wer trotz Krankheitsgefühl, Fieber und Halsschmerzen Sport treibt, riskiert, dass sich die Infektion ausdehnt. Im schlimmsten Fall droht eine Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels.

Eine Erkältung wird durch Kälte verursacht Nein. Viren lösen eine Erkältung oder Grippe aus. Aber: „Wenn der Körper schon eine beginnende Infektion bekämpft und dann stark friert, kann dies das berühmte i-Tüpfelchen sein“, sagt Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Es gibt auch die These, dass die Nasen-Rachenschleimhaut bei Kälte anfälliger für Virusinfektionen ist, aber die ist wissenschaftlich nicht belegt.

Auch nach einer abgeschlossenen Therapie ist es sinnvoll, sich noch einige Tage zu schonen. Denn Antibiotika bekämpfen neben Krankheitserregern die natürliche Bakterienflora des Darmes, die das Immunsystem unterstützt. Der Körper ist somit anfälliger und Sport eine zusätzliche Belastung.

Fehler 5: Sich immer auf die Wirkung des Antibiotikums verlassen

Antibiotika wirken ausschließlich gegen bakterielle Infektionen. Viele Krankheiten wie Schnupfen, Grippe, Bronchitis oder Husten werden aber durch Viren ausgelöst. In diesen Fällen ist ein Antibiotikum wirkungslos.

Mitunter kommt es allerdings vor, dass der Körper durch eine Virusinfektion stark geschwächt ist. Bakterien haben dann leichtes Spiel, dringen in den Körper ein und vermehren sich. So kann ein viraler Infekt der Atemwege eine bakterielle Lungenentzündung begünstigen. Gegen diese sogenannten Superinfektionen ist der Einsatz eines Antibiotikums wiederum sinnvoll.

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Im Laufe der Zeit haben einige Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika ausgebildet. Am bekanntesten ist der Methicillin-resistente Erreger Staphylococcus aureus (MRSA). Dieser Erreger kann beispielsweise nicht mehr mit dem Wirkstoff Penicillin behandelt werden.

Wird ein Antibiotikum lediglich anhand der Symptome verschrieben, kann es vorkommen, dass dieses wirkungslos ist. Ein Abstrich, etwa der Mandeln, verrät, welche Erreger vorliegen. Der Arzt kann das Antibiotikum dann darauf abstimmen. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) wird ein solcher Abstrich in der Praxis jedoch selten gemacht, da das Ergebnis erst nach zwei oder drei Tagen vorliegt. Erkrankte sollten ihren Arzt fragen, ob ein Abstrich vor Beginn der Antibiotika-Therapie sinnvoll sein kann.

Fehler 6: Antibiotika und Alkohol – keine gute Idee

Davon abgesehen, dass Alkoholkonsum ohnehin eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellt, hat er auch Nebenwirkungen. Alkohol kann die Wirkung von Medikamenten verstärken oder abschwächen. Es ist daher ratsam, grundsätzlich auf Wein, Bier und Schnaps zu verzichten, wenn Medikamente eingenommen werden. Das gilt insbesondere für Antibiotika.

Bei Antibiotikaeinnahme mit gleichzeitigem Alkoholkonsum kann es zum sogenannten Antabus-Effekt kommen. Betroffene entwickeln Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit bis hin zu Erbrechen. Der Grund: Bestimmte Antibiotika wie Metronidazol und Cefotetan hemmen ein Enzym, das wichtig für den Abbau des Alkohols ist. In der Folge reichert sich das giftige Abbauprodukt Acetaldehyd im Körper an. Da diese Reaktion bereits bei geringen Mengen Alkohol auftritt, ist es sinnvoll, während einer Antibiotikaeinnahme ganz auf Bier und Wein zu verzichten. 

Auch die Antibiotika Doxycyclin und Linezolid vertragen sich nicht gut mit Alkohol. Insbesondere bei Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, kann die Wirkung von Doxycyclin herabgesetzt sein. Menschen mit Leberproblemen sollten kein Doxycyclin einnehmen. 

Wer Alkohol trinkt und das Antibiotikum Isoniazid einnimmt, kann auch seiner Leber schaden. Der Grund: Ein bestimmtes Enzym der Leber wird durch Alkohol beeinflusst und baut das Antibiotikum in ein leberschädigendes Molekül um. „Ab einer bestimmten Dosis kann das schwerwiegende Folgen haben“, schreibt dazu die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig), Berufsverband der Frauenärzte e.V., AOK-Bundesverband GbR, National Health Service (NHS)

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