Antibiotikaresistenz: Die Umsetzung ist das Problem

Antibiotikaresistenzensind schon heute ein großes Problem und könnten künftig noch viel gravierenderwerden. Das ist sogar in der Politik angekommen, aber die Umsetzung vonGegenmaßnahmen erweist sich als schwer. Was geht und wo die Hindernisse liegen,zeigte sich beim Eppendorfer Dialog am gestrigen Dienstag in Hamburg.

BeimEppendorfer Dialog äußerten sich fünf Referenten, die unterschiedlicheSichtweisen des Gesundheitswesens vertreten und sich doch weitgehend einigwaren. Apotheker waren nicht auf dem Podium. Derzeit werden in Deutschland etwa1000 bis 4000 Todesfälle pro Jahr den Antibiotikaresistenzen zugeschrieben. WennAntibiotika eines Tages nicht mehr wirken sollten, hätte dies nebenmedizinischen auch enorme gesellschaftliche und soziale Folgen, mahnte Gastgeberund Moderator Prof. Dr. Achim Jockwig.

In der Politik ist das Thema längstangekommen, erklärte Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktionim Bundestag. Sie sprach von einer „tickenden Zeitbombe“. In der Politik gebees zu diesem Thema fast keinen Streit, konstatierte Connemann, aber das Problemliege in der Umsetzung. Als wesentliche Antwort der deutschen Politik präsentierteConnemann die Deutsche Antibiotikaresistenzstrategie (DART). Diese verfolgeeinen „One-health-Ansatz“ für Menschen und Tiere und ziele daraufResistenzentwicklungen schnell zu erkennen und Therapieoptionen zu erhalten.Der beste Schutz sei, Infektionsketten schnell zu unterbrechen, beispielsweisedurch Hygienemaßnahmen. Dies werde in den Niederlanden mit Quarantänebetten undTransparenz über Infektionen konsequenter umgesetzt. Letztlich gehe es darum,ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen, resümierte Connemann.

ReduzierterAntibiotikaeinsatz in der ambulanten Versorgung

UteLeonhardt, stellvertretende Leiterin der Abteilung Ambulante Versorgung beimVerband der Ersatzkassen, verwies auf eine Prognose der WHO. Diese erwarte,dass 2050 mehr Menschen durch Antibiotikaresistenzen als durch Krebs sterben.Dennoch sei die Forschung an neuen Antibiotika rückläufig, weil neueReserveantibiotika definitionsgemäß kaum eingesetzt würden und daher kaumUmsätze erwarten lassen. Als Beispiel für eine Maßnahme zur Vermeidungüberflüssiger Antibiotikaverordnungen stellte Leonhardt das Projekt RESIST derErsatzkassen und einiger Kassenärztlicher Vereinigungen vor. Es wird vomInnovationsfonds gefördert und konzentriert sich auf den Umgang mitAtemwegsinfekten. Dabei erhalten 2460 Ärzte Online-Schulungen, insbesondere zurKommunikation mit Patienten, und Informationsmaterial für ihre Patienten. ErsteZwischenergebnisse seien ermutigend. Die Evaluation wird Ende März 2020erwartet. Apotheken sind an dem Projekt nicht beteiligt.

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